Hoffmann von Fallersleben

Ausländerei

 

Daß wir so das Fremde lieben!
Zu dem Fremden hingetrieben
sind wir selbst uns fremd geblieben –
Deutsch will keiner sein.
Nur von Auslands Gnaden sollen
wir bestehen wir Lebensvollen,
Selbst nichts tun und selbst nichts wollen?
Schlag der Teufel drein !

Sollen wir an uns verzagen?
Kein Gefühl im Herzen tragen,
nicht einmal zu sagen wagen,
daß wir etwas sind?
Stählt die Sinnen und Gemüter!
Seid die Schirmer, seid die Hüter
eurer eigenen deutschen Güter!
Werdet deutschgesinnt !

Was die Fremden Gutes machten,
laßt uns immer gern beachten,
aber nach dem Besten trachten
für das Vaterland!
Liebend alle Welt umfassen,
sich verachten, sich nur hassen,
kann‘ s der Deutsche niemals lassen? –
Armes Vaterland!

Hoffmann von Fallersleben, 1842

Gotthold Ephraim Lessing

Der größte Mann

 

Laßt uns den Priester Orgon fragen:
Wer ist der größte Mann?
Mit stolzen Mienen wird er sagen.
Wer sich zum kleinsten machen kann.

Laßt uns den Dichter Kriton hören:
Wer ist der größte Mann?
Er wird es uns in Versen schwören:
Wer ohne Mühe reimen kann.

Laßt uns den Hofmann Damis fragen:
Wer ist der größte Mann?
Er bückt sich lächelnd; das will sagen:
Wer lächeln und sich bücken kann.

Wollt ihr vom Philosophen wissen,
Wer ist der größte Mann?
Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen:
Wer ihn verstehn und grübeln kann.

Was darf ich jeden Toren fragen:
Wer ist der größte Mann?
Ihr seht, die Toren alle sagen:
Wer mir am nächsten kommen kann.

Wollt ihr den klügsten Toren fragen:
Wer ist der größte Mann?
So fraget mich; ich will euch sagen:
Wer trunken sie verlachen kann.

Sándor Petöfi

Sándor Petőfi

Ich lieb dich

Ich lieb dich unermeßlich,
unsagbar lieb ich dich,
nicht deine zarte, schlanke
Gestalt nur liebe ich,
nicht nur die weiße Stirne,
dein glänzend schwarzes Haar,
die frischen roten Wangen,
dein dunkles Augenpaar,
nicht nur die süßen Lippen,
die kleine warme Hand,
die zärtlich ist wie keine,
die jemals zu mir fand…
Ich lieb auch deine Seele,
hochsinnig, sonder List,
dein Herz, im Fühlen tiefer
als jeder Bergsee ist.
Ich lieb dich, wenn du lächelst,
wie wenn du weinst vor Leid,
ich lieb dich in der Trauer
wie in der Fröhlichkeit.
Die Sonne deiner Tugend
lieb ich nicht nur allein,
ich lieb dich auch, wenn Fehler
verdunkeln ihren Schein.
Ich lieb dich unbeirrbar,
so innig wie ein Mann
ein Weib auf dieser Erde
in Treue lieben kann.
Du bist mein ganzes Leben,
kein Wesen auf der Welt
hat je so sehr mein Denken
beflügelt und beseelt,
je so erfüllt mein Fühlen.
Du bist, ob Nacht, ob Tag,
die Melodie, der Rhythmus
für meines Herzens Schlag.
Willst du, daß ich verzichte
auf Ruhm, mir fiel’s nicht schwer.
Doch würd ich Ruhm erwerben
für dich nur um so mehr.
Den eignen Willen werfe
ich gerne hinter mich.
Dein Wille ist der meine,
was du willst, will auch ich.
Jedweden Wunsch erfüllen
würd ich dir ohn‘ Bedacht,
kein Opfer dafür scheuen,
wenn es dir Freude macht.
Wenn du Verlust erlitten,
und wär er noch so klein,
mein Schmerz darüber würde
groß wie der deine sein.
Ich lieb dich unermeßlich,
unsagbar lieb ich dich,
kein Mensch auf Erden liebte
jemals so inniglich.
Ich liebe dich unendlich,
und stürb ich daran gar!
Möcht alles dir in einem
bedeuten immerdar.
Möcht Freund dir sein, Berater,
der für dich sorgen kann,
dein Bruder sein, dein Vater,
Geliebter, Sohn und Mann.
Wie ich mich deinem Wesen
in allem anvertrau,
sei Tochter, Schwester, Mutter,
Geliebte mir und Frau.
Ich bin dir ganz verfallen,
wahnsinnig lieb ich dich,
ich wandle wie im Traume,
verzaubert hast du mich…
Frag ich mich, wem gebühren
nun Lob und Preis dafür?
Nicht ich bin deren würdig,
nein, sie gebühren dir!
Nur du, nur du, Geliebte,
bist einzig ihrer wert…
Denn diese große Liebe,
du hast sie mich gelehrt.

Großvater

Großvater

 

ein einzig Mal nur
möcht ich wieder
deinen Märchen lauschen

deine Stimme hörn
und neben dir
in deinem Bette ruhn

mit dir Wiesenduft
und Blumen atmen
im Frühling
durch den Weinberg gehn

vielleicht nochmal
im Wald die Vöglein zählen
und die Rehlein
an der Tränke sehn

es geht die Zeit
und mit ihr
gehn die Menschen

doch
ab und zu wünscht ich
du wärst bei mir

sie stehn

inspiriert über „Frapalymo“:

http://paulchenbloggt.de/

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da stehn sie
an der Ampel

und sie brummen
und sie fahren
und sie stehn

und sie stinken
und sie hupen
und sie stehn

und sie fahren
und sie fluchen
und sie stehn

und sie blinken
und sie schimpfen
und sie stehn

und heut abend
stehn sie wieder
an der Ampel

und sie ………
………………….
………………….

aber morgen
fahr ich wieder
durch mein Dorf

MICHAEL HERMANN ……………………………………………… Bitte beachten. Bei allen nicht anders gekennzeichneten Texten und Bildern liegen die Rechte bei mir. Auch bitte ich darum, JEDES Rebloggen zu unterlassen!