Komm, lass uns spielen

Komm, laß uns spielen
Wie bald des Sommers holdes Fest verging!
Rauh weht der Herbst; wird’s denn auch Frühling wieder?

Da fällt ein bleicher Sonnenstrahl hernieder –
Komm, laß uns spielen, weißer Schmetterling!

Ach, keine Nelke, keine Rose mehr;
Am Himmel fährt ein kalt Gewölk daher!

Weh, wie so bald des Sommers Lust verging –
O komm! Wo bist du, weißer Schmetterling?

Theodor Storm

Sandor Petöfi

Ob ich den Herbst nun mag, oder nicht: – mit Petöfi hört er sich zumindest schön an.

Wieder ist der Herbst gekommen…

Wieder ist der Herbst gekommen,
schön, wie er mir immer schien.
Fragt mich nicht, aus welchem Grunde,
doch, weiß Gott, ich liebe ihn.

Auf dem Hügel unter Bäumen
sitze ich und schau umher,
seh und hör die Blätter fallen,
leise seufzend, mehr und mehr.

Lächelnd blickt die Sonne nieder
auf die Erde, sanft und lind,
liebevoll wie eine Mutter
auf ihr eingeschlafnes Kind.

Denn die Erde ist nur müde,
ist nicht etwa sterbenskrank,
schließt die Augen nur zum Schlummer,
schläft nur einen Winter lang.

Hat im Herbst die schönen Kleider
nur zum Ausruhn abgetan,
schmückt sich neu, wenn sie am Himmel
sieht den Frühling leuchtend nahn.

Schlafe bis zum Frühlingsmorgen,
überschlaf des Winters Nacht,
liebe Erde, träume glücklich,
träum von neuer Blütenpracht.

Leis laß ich die Saiten klingen,
schlafe, schlafe, bist so müd!
Mag mein Lied im Traum dich grüßen
zärtlich wie ein Wiegenlied.

Liebste, setz dich mir zur Seite,
schweig und lausche dem Gesang,
bis er wie des Windes Flüstern
ferne überm See verklang.

Willst du auf den Mund mich küssen,
tu es sanft und lautlos nur,
laß uns nicht im Traum aufstören
die entschlummernde Natur!

Gustav Falke

Abendlied

Hat der junge Geigenmacher
mit dem Tagwerk aufgeräumt,
sitzt er gern, ein seligwacher,
auf der Lindenbank und träumt.

Auf der schönsten seiner Geigen
träumt er einen Herzenstraum,
Vollmond steigt und Sterne steigen,
silbern steht der Blütenbaum.

Wie die weichen Töne singen,
wird es stiller, als es war,
und die Gartenlilien bringen
alle ihre Düfte dar.

Nicht ein Hauch aus Wälderfernen,
nicht ein Laut fällt störend ein,
über Blumen, unter Sternen,
klingt das süße Lied allein.

Das Leben lebt

Ich höre einer Flöte süßen Klang
von irgendwo aus offnem Fenster her.
Sie singt von Frieden einen Sommersang,
von reifen Blumen und von Früchten schwer,
von frohen Herzen, seligem Genuß,
Umarmung, Freundschaft, Leidenschaft und Kuß.

Schweig, Flöte, schweig, dies ist nicht Friedenszeit.
Die Welt zerfleischt sich, Ströme Blutes fließen.
Die ganze Erde flammt, ein Grauses schreit
und schreit und schreit, es hilft kein Ohrenschließen.
So schreit Entsetzen rings. Du aber singst,
als ob du unter heitern Sternen gingst.

Von irgendwo klingt diese Flöte her,
singt unbekümmert ihren süßen Sang.
Das Herz, von ungeweinten Tränen schwer,
wehrt doch umsonst dem holden Schmeichelklang.
Der Flöte zürnen? Ach, ich kann es nicht.
Sie singt so süß, und Hören wird zur Pflicht.

So singe, Flöte, singe, unbewegt
von Not und Tod und allem Graus der Zeit.
Du singst das Leben, und wie Sonne legt
dein süßes Lied sich auf die Traurigkeit
der Seele, daß sie leis die Flügel hebt:
Getrost, was weinst du noch? Das Leben lebt.

MICHAEL HERMANN ……………………………………………… Bitte beachten. Bei allen nicht anders gekennzeichneten Texten und Bildern liegen die Rechte bei mir. Auch bitte ich darum, JEDES Rebloggen zu unterlassen! …………. Im Allgemeinen gilt: – FREIE MEINUNGSÄUßERUNG. Jedoch, bin ich der Hausherr dieses Blogs und mache gegebenenfalls von meinem Hausherrenrecht Gebrauch.