Die Zeit ging baden

Du kamst aus dem Nichts.
Zwei Milchflaschen am Brückenrand.
Zeit ging – spielend am Bach,
baden im kühlen Nass.
Freundschaft ohne Uhr.
Kindergartens verspielter Weg.
Obstwiese mit Mittagsschlaf,
Bienen im Taschentuch verpackt.
Zur Zucht? Oh – honigsüßer Traum!
Das liebliche Mädchen in Gruppe Zwei.
Am Abend Milch und Polenta.
Großvaters Bett, Rotkäppchen, Die sieben Geißlein.
Vaters Werkstatt, das eigene Beil, Hammer und Nägel.
Der Ziegenbock, der wütend mit der Herde kam.
Das rettende Tor – in das er knallte.
Die niedlichen Geißlein zum streicheln.
Der Hahn dessen Böswilligkeit
nur der Besen Einhalt gebot.
Frühlings Schneeglöckchen im Wald
– lockende Wärme zum pflücken.
Ostern mit Dotterblumen genestet.
Sommers Berge und Wälder,
Lagerfeuer, Kartoffelduft.
Der Fluss – verseucht, verboten
– sorgloser Spaß.
Wetter gab`s keines.
Gestauter Bach, gesammelter Fisch.
Tobende Gärtner – nach Durchbruch des Damms.
Herbstlich süße Trauben,
Pferdewagen, die sie in schweren Fässern fuhren.
Vernascht, versteckte Mitfahrt
– manchmal der rettende Sprung vor der Peitsche.
Winterliches Weiß,
unendliche Eisbahn des Bachs,
Schlitten am Berg.
Schneemann mit Vater – Eltern mit Zeit.
Schlachtfest. Angst vor dem Schrei,
Strohfeuer beim Sengen,
verspielte Cousins und Cousinen,
frische Leber und Wurst.
Weihnachtlicher Baum mit Kerzen,
Marzipanzucker in farbigem Gold verpackt.
Orangen – das eine Mal im Jahr!
Die Kirche – erhellt vom mächtigen Baum.
Wenn Gott – dann jetzt!
Lieder, Gedichte, Krippenspiel.
Geschenktüte, Lebkuchen herrlich verziert
und sichtbar verpackt.
Alles schon sehr lange her.
Die Zeit ging baden
– der Bach über den Fluss ins Meer.

Sylvia Kling – Grünland

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Künzelsau (Acryl auf Leinwand, 150×100 cm)

Es gesellt sich ein
mildgrüner Zauber
waldiger Höhen
zur Ruhe
des Horizontes,
singt leise in
der Hörenden Sinn

Ein Kirchturm ragt
in den Himmel,
umworben von
der Krone
Jahrhundertweiser,
umfangen von
des Tages Licht

Eben ist die
türmende Ferne,
so friedvoll
dem Leben erhaben,
lindert das Leid
aller Klagen

Mauerschönheiten,
erschaffen in eiligem Saume
spiegeln sich im
tröstenden Wasser,
es tropft ein
Blick kopfüber
ins Herz erquickend leicht

Ein leiser Friede
löst das Unheil
in unserer Brust,
du Grünland,
so nebelschwer du einst
gelegen,
so hebst du den Schleier
hungrig müder Augen.
.
©Sylvia Kling
.
Sylvia Kling schrieb das Gedicht eigens für mein Bild und es ist Teil ihres Lyrikbandes „AusGeatmet“, der letztes Jahr erschien. Dies ist ein tolles zeitgemäßes Buch, in dem Liebe , Natur und Zeitgeschehen ganz eng beeinanderliegen.
Die Autorin lebt, liebt, fragt und bezieht Stellung. Die Sprache ist gewählt und schön – aber deutlich.
… ein Buch zum lesen und nachlesen.
.
Meine Lieblingspassage darin:
.
„Nicht die Vergangenheit
ist eine Lüge,
eure grellen Laute sind
entgleiste Züge.“
.
Mehr Zeitgeist geht nicht.

Sylvias Blog:
https://sckling.wordpress.com/
und Sylvias HP:
http://www.sylvia-kling.de/

Demapati & Kyoto

HPIM0894.JPG

Kirschblüte 5weite die Flügel

flieg
der Sonne entgegen
breite dein Lager
in Kirschblüten aus

geh in die Welt
reite den Wind
im kleinen Drachen
reift die Zeit

erlebe das Schöne
folg deinem Herzen
irgendwo
liegt dein Paradies

doch bist du müde
komm wieder heim

erzähl
mir vom Leben
durch deine Augen
möchte ich sehn

vielleicht

bauen wir gemeinsam
ein Schiff
segeln über die Meere

wir speisen das Feuer

demapati der Drache
lebt

 

Das Kind

HPIM0976.JPGSkulptur „d. A. f. n. w. v. St.“

***
einst
sprach das Kind zu mir
erzählte wunderschön
von Leichtigkeit und Freude

wischte die Tränen weg
und manch Erinnerung
vergaß die Prügel
und die Angst vor morgen

nun ist es still
und weint
nimmt Abschied
von der Hoffnung

dass man die Worte sagt
die niemand
nun mehr sagen kann

nun schweigt es
auch das Kind
versucht die Stille zu verstehn

verstanden
hat es nichts

Nochmal

HPIM0880.JPGSkulptur „Kulturpflege“

Diese Einstellung nochmal – denn

es ist erschreckend, wieviel Dummheit an den Tag gelegt und auch die Dummheit anderer genutzt wird, um die Geschehnisse von Sylvester in Hass gegenüber unschuldigen, schutzsuchenden Menschen zu verwandeln.

Jede einzelne abscheuliche Tat war zu viel und die Täter werden hoffentlich alle ermittelt, bestraft und ausgewiesen. FÜR SIE DARF ES KEINEN PLATZ IN DEUTSCHLAND GEBEN! … aber waren in dieser Nacht eine Million (Flüchtlingszahl 2015) Verbrecher in Köln?

***

Wotans Erben

*

wetzt die Zungen

düngt den Boden
zieht euch Früchtchen

hegt und pflegt die Gene

schert die Haare
flechtet Zöpfe

färbt braun die Brillen
betoniert die Köpfe

blaue Augen
sind auf Blond geeicht

bindet Scheuklappen
vor Horizonte

morgen

steigt wieder Feuer
aus dem Vergessen

und ein Früchtchen
reift zur Frucht

o.t.

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Acryl, 100×100 cm

wärmend
lächelt mir der Spiegel
wenn das Licht
der Tage fällt

und
goldene Kälber
aufgebläht
in Gassen lauern

im Abendrot

entblößte Leiber
nackt
schreiten sie
durchs offene Tor

tanzen möcht ich
nicht zu Liedern
deren Sänger
ich nicht kenn

bin ich müde
denk ich
an den Spiegel
und sein Lächeln

das mich trägt

ohne titel

Acryl, 100×100 cm

sorge Dich nicht
wenn meine Seele sich
zur Nacht verfängt

durch tausend Täler
tausend Bäche
sich zu diesem einen
großen Strom vereinen

der ruhig fließt
in seinem breiten Bett
und Schiffe trägt
zum weiten Meer hinaus

nimm Du das Steuer
setz die Segel
irgendwo
beginnt ein neues Land

in meinen Träumen
bist du bei mir
bis der Morgen sich
ins Licht ergießt