Holz

HPIM0996.JPG

! Nachträglich! : – ich setze den Text des Liedes zu den Kommentaren.

In der Welt ist`s dunkel, leuchten müssen wir“, steht auf dem kleinen geschnitzten Holztäfelchen als Text unter dem Bild mit dem Mädchen, welches mit der Laterne in der einen und einer Blume in der anderen Hand über die Blumenwiese geht.

Und auf der Rückseite ein Bleistiftvermerk: „Zum Andenken aus Russland, Smoleanka 1946, Susanna Hoffmann“ – ich habe den Namen geändert.

Das Werk dieses unbekannten Künstlers, offensichtlich im sowjetischen Arbeitslager entstanden, wurde mir vor über dreißig Jahren geschenkt.

Irgendwann im Laufe meiner eigenen Künstlerjahre dachte ich, ich gebe dem Täfelchen den ihm gebührenden Rahmen. Ich fasste es in eine Holzplatte ein, in die ich Symbole von kirchlichen und weltlich/politischen Ideologien mittels eines Heißluftgebläses einbrannte.

Es war nicht meine Absicht, die Qualität der Ideologien zu erörtern – mir ging es lediglich darum, an die Folgen derselben zu erinnern.

Irgendwann hing das Ding im Rahmen einer Ausstellung im Rathaus (Schloss) Freistadt (Name geändert).
… zwei Tage lang.

Dann kam die Aufforderung per Telefon, es abzuhängen. Die Begründung: – ich dürfe hier kein Hakenkreuz ausstellen, die Besucher hätten sich beschwert.

Ich war mit meiner Ausstellung Gast in diesem Haus und folgte der Aufforderung.

Bei einer der nächsten Ausstellungen, diesmal in einer Fortbildungsstätte für Lehrer, überklebte ich das Hakenkreuz und hängte das Objekt wieder auf.

Die Zensur kam noch während des Aufbaus. Neben den diversen anderen Symbolen, könne man das Hakenkreuz vermuten.

Kommentarlos nahm ich das Holz von der Wand.

Irgendwann sah ich in einer anderen Ausstellung (Städtischer Museen) zwei völlig schwarze „Bilder“ :

  • „Bei Nacht“ und „Unter Tage“.
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6 Kommentare zu “Holz”

  1. Das Hakenkreuz steht doch nicht alleine da! Dann würde ich die Aufregung ohne weiteres verstehen. Es ist umringt von anderen Symbolen, die ihre Bedeutung haben. So gesehen müssen Hammer und Sichel auch verschwinden, die DDR gibt es nicht mehr.
    Vielleicht wurde das Hakenkreuz in Beziehung mit dem Judenstern gesehen?
    Geschichtsträchtige Symbole haben einen Erinnerungswert und teilen uns mit, dass es Situationen gab/gibt, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.
    Deutsche Bürokratie – engstirnig und krümelkackerig.

    LG ins Wochenende,
    Anna-Lena

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  2. Ja, Anna-Lene, und dazu ein Zeichen von großer Verunsicherung a) im Umgang mit der (neuen deutschen) Geschichte und b) mit der Religion und c) mit beider Symbolik.
    Tatsächlich könnte aus meiner Sicht das Nebeneinanderstehen der Symbole bei oberflächlicher Betrachtung missverstanden werden als Vergleich.
    Tatsächlich haben sich die Betrachter sichtlich NICHT mit dem Text und seinem Inhalt und mit der damit eng verbundenen Aussage des Kunstwerks auseinander gesetzt.
    Vielleicht hätte ein eigener Text als Erklärung dazu stärker angeregt.

    Doch: Du hast dein Werk ausgestellt, unkommentiert. Und das ist legitim. Wirklich bedauerlich, dass mit einem Verbot, statt mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung reagiert wurde!

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  3. uh, ja, das ist ein höchstsensibles thema! eigentlich sollte es in der kunst gestattet sein, oder eben auch dann, wenn es der lehre (in der schule) und aufklärung dient. aber ich glaube, die menschen reagieren einfach sehr empfindlich drauf. ich finde dein kunstwerk sehr aussagekräftig!
    liebe grüße
    diana

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  4. In der Welt ist´s dunkel leuchten müssen wir
    du in deiner Ecke, ich in meiner hier
    Sieh an jedem Orte, gibt es was zu tun
    wo die echte Liebe nie kann müßig ruhn

    Wirke du im Stillen fröhlich da und dort
    tue Gottes Willen gern an jedem Ort
    Mit der treu im Kleinen ehre deinen Herrn
    so nur wirst du leuchten als ein heller Stern

    Hört es Groß und Kleine, leuchten müssen wir
    du in deiner Ecke, ich in meiner hier
    Leuchten, daß auch andern bald der Tag anbricht
    daß auch sie einst prangen in dem ewgen Licht

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  5. Liebe Anna-Lena, liebe Elke, liebe Diana, liebe Anna.
    Bis auf wenige Ausnahmen betitele ich alle meine Werke und meistens findet man den Zugang dann auch über den jeweiligen Titel.
    Diese Holztafel ließ ich mit Absicht titelfrei. … ich wollte die Aussage dem Betrachter gegenüber offen lassen – ihn damit dazu bringen, sich eigene Interpretationen zu „erarbeiten“.
    … so in einer anderen Ausstellung schon geschehen.
    Und da finde ich es schon bemerkenswert, dass man die Arbeit richtig verstand.
    So gesehen, muss man vielleicht sagen, dass wir zu oberflächlich geworden sind – irgendwer muss uns immer erstmal irgendetwas „vorkauen“.
    Meiner Meinung nach, ist es aber schon sonderbar, dass man in einer Landesakademie für Lehrerfortbildung auf diese Vorarbeit angewiesen wäre – als Prävention geht man den einfacheren Weg und lässt das Ding einfach nicht an der Wand.
    … und liebe Anna – Deine Frage gefällt mir sehr.
    Heute würde ich das Thema auf die gleiche Art verarbeiten – ich habe gelernt, dass das auch nötig ist. Da diese Arbeit unverkäuflich ist, wird sie auch wieder in Ausstellungen zu sehen sein.
    Euch allen liebe Grüße,
    Michael

    PS: – ganz, ganz herzlichen Dank für eure tollen und sachdienlichen Kommentare!!!

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