die Schleusen zum Himmel

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in der Frühlingswiese
liegen wir im Grase
voll Glück

bei Gänseblümchen und Mohn
zwischen Veilchen, Apfelblüten
Kirschblüten im lauen Wind

im Baume die Amsel
ihr Liebeslied

dein luftiges Kleid
weicht jedem Hauch
der uns umgibt

dein süßer Mund
flüstert mir zu
ich streichle deine Wangen

und küsse deinen Hals
meine Finger
kämmen dein Haar

gleiten über die Schulter
zur Brust
ich fühle deine Liebe
zum Augenblick

meine Hand
streift deinen Bauch
deinen Nabel, die Hüfte
und deine Schenkel

und ich spüre deine Hände
an meiner Haut
und du öffnest
die Schleusen zum Himmel

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an der Erinnerung

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aus den Trauerweiden
steigen Nebel
der See
mischt Treibgut ins Geäst

Schwäne gleiten
mit den Wellen
an die Ufer

im Hafen
wippen schweigend
verlassene Boote
vor sich hin

still
schleicht Kälte
nun ins Land

ich seh die Farben

doch nicht
ihr wundersames Leuchten
Dein Lachen
das mit dem Sommer ging

wir zünden Kerzen an
und schmücken die vereisten Fenster
und wärmen uns

an der Erinnerung

Heinrich Heine

 
 .

Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
„Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
   Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt –
   Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt –
   Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –
   Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
   Wir weben, wir weben!“

Heinrich Heine (1844)

in Deinen Händen

DIGITAL CAMERAAcryl auf Leinwand, 80×100 cm

an Deine Lippen
möcht ich meine schmiegen
Deinen süßen Atem
in den meinen ziehn

Deine Wimpern
möcht ich küssen
mit meinen Augen
tief in Deine sehn

an Deiner Haut
solln meine Finger gleiten
nur zart und weich
mit allen Sinnen

Deine Wärme spürn

mein Herz
will ich im Dunkel
Deinem schenken
in Deinen Händen

soll meine Zeit vergehn

Bob Dylan – Blowin‘ in the Wind

Wie viele Straßen muss ein Mann runter gehn,
bevor man ihn Mann nennen kann?
Über wie viele Meere muss eine weiße Taube fliegen,
bevor sie im Sand schlafen kann?

Ja und wie oft müssen Kanonenkugeln fliegen,
bevor man sie für immer verbannt?
Die Antwort, mein Freund, verweht mit dem Wind.
Die Antwort verweht mit dem Wind.

Wie viele Jahre kann ein Berg existieren,
bevor er ins Meer gewaschen wird?
Wie viele Jahre können einige Menschen existieren,
bevor sie frei sein dürfen?

Ja und wie oft kann ein Mann seinen Kopf abwenden
und so tun, als würde er nichts sehn?
Die Antwort, mein Freund, verweht mit dem Wind.
Die Antwort verweht mit dem Wind.

Wie oft muss ein Mensch nach oben schauen,
bevor er den Himmel sehen kann?
Und wie viele Ohren muss ein Mann haben,
bevor er Menschen weinen hören kann?

Und wie viele Tote wird es brauchen, bis er weiß,
dass schon zu viele Menschen gestorben sind?
Die Antwort, mein Freund, verweht mit dem Wind.
Die Antwort verweht mit dem Wind –

die Antwort, mein Freund, verweht mit dem Wind

die Antwort verweht mit dem Wind