Sándor Petöfi

Sándor Petőfi

Ich lieb dich

Ich lieb dich unermeßlich,
unsagbar lieb ich dich,
nicht deine zarte, schlanke
Gestalt nur liebe ich,
nicht nur die weiße Stirne,
dein glänzend schwarzes Haar,
die frischen roten Wangen,
dein dunkles Augenpaar,
nicht nur die süßen Lippen,
die kleine warme Hand,
die zärtlich ist wie keine,
die jemals zu mir fand…
Ich lieb auch deine Seele,
hochsinnig, sonder List,
dein Herz, im Fühlen tiefer
als jeder Bergsee ist.
Ich lieb dich, wenn du lächelst,
wie wenn du weinst vor Leid,
ich lieb dich in der Trauer
wie in der Fröhlichkeit.
Die Sonne deiner Tugend
lieb ich nicht nur allein,
ich lieb dich auch, wenn Fehler
verdunkeln ihren Schein.
Ich lieb dich unbeirrbar,
so innig wie ein Mann
ein Weib auf dieser Erde
in Treue lieben kann.
Du bist mein ganzes Leben,
kein Wesen auf der Welt
hat je so sehr mein Denken
beflügelt und beseelt,
je so erfüllt mein Fühlen.
Du bist, ob Nacht, ob Tag,
die Melodie, der Rhythmus
für meines Herzens Schlag.
Willst du, daß ich verzichte
auf Ruhm, mir fiel’s nicht schwer.
Doch würd ich Ruhm erwerben
für dich nur um so mehr.
Den eignen Willen werfe
ich gerne hinter mich.
Dein Wille ist der meine,
was du willst, will auch ich.
Jedweden Wunsch erfüllen
würd ich dir ohn‘ Bedacht,
kein Opfer dafür scheuen,
wenn es dir Freude macht.
Wenn du Verlust erlitten,
und wär er noch so klein,
mein Schmerz darüber würde
groß wie der deine sein.
Ich lieb dich unermeßlich,
unsagbar lieb ich dich,
kein Mensch auf Erden liebte
jemals so inniglich.
Ich liebe dich unendlich,
und stürb ich daran gar!
Möcht alles dir in einem
bedeuten immerdar.
Möcht Freund dir sein, Berater,
der für dich sorgen kann,
dein Bruder sein, dein Vater,
Geliebter, Sohn und Mann.
Wie ich mich deinem Wesen
in allem anvertrau,
sei Tochter, Schwester, Mutter,
Geliebte mir und Frau.
Ich bin dir ganz verfallen,
wahnsinnig lieb ich dich,
ich wandle wie im Traume,
verzaubert hast du mich…
Frag ich mich, wem gebühren
nun Lob und Preis dafür?
Nicht ich bin deren würdig,
nein, sie gebühren dir!
Nur du, nur du, Geliebte,
bist einzig ihrer wert…
Denn diese große Liebe,
du hast sie mich gelehrt.

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2 Kommentare zu “Sándor Petöfi”

    1. Liebe Mirjam, wie toll, dass Du wieder da bist!
      … und ich freue mich, dass es Dir gefällt! Ja, das ist mal ein Liebesgedicht – gelle?
      Sándor Petöfi war ein ungarischer Dichter und Revolutionär.
      Und ja – es steckt sehr viel Herzblut in seinen Gedichten. Scherzweise würde ich sagen, er hatte Paprika im Blut. 🙂 Im Gegensatz zu diesem Gedicht, geht es in seinen anderen meist nicht so „friedlich“ zu.
      Lieben Dank, für Deinen Kommentar!
      Alles Liebe,
      Michael

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