Einen Augenblick

 

An diesem Tag gingen die beiden Kollegen pünktlich um 15 Uhr 45 heim.
Doch er wollte das Gerät noch fertig machen – was vielleicht eine halbe Stunde dauern würde. Zu Hause hätte er heute sowieso nichts vor.

Die Halle war ziemlich ruhig, da kaum noch jemand arbeitete.

Sein Arbeitsplatz lag am Ende des Ganges, der in die andere Halle führte. So konnte er sehen, wer rauf oder runter ging.

Kurz nach 16 Uhr kam Albert des Weges und bog am Zugang zu den Sozialräumen ab.
Und er sah auch, wie Albert nach zehn Minuten wieder zurückkam.
Sie winkten sich zu. Albert hatte seinen Motorraddress angezogen und ging über den gekommenen Weg Richtung Ausgang.

Nach weiteren zehn Minuten war er mit der Arbeit fertig, verschloss den Werkzeugwagen, fuhr den Rechner runter, ging Hände waschen, zog sich an und machte sich auf den Heimweg.

Im Auto dröhnte ein nerviges Lied aus dem Radio. Er schaltete ab – es wären sowieso nur sieben Kilometer bis nach Hause.

Als er an der Einmündung der Bahnhofstraße vorbeikam, stand da ein Auto quer in der Straße, ein paar Meter weiter lag ein Motorrad und unmittelbar daneben stand ein Rettungswagen.

Um niemanden zu behindern, fuhr er weiter.

Doch während der Fahrt dachte er an Albert – ob er wohl der Verunglückte sei.?
Die Gedanken rasten ihm durch den Kopf.

Ein Zuruf in der Arbeit hätte vielleicht eine kleine Verzögerung zur Folge gehabt – wenn auch nur den Bruchteil einer Sekunde. … einen Augenblick.
Es wäre dadurch wahrscheinlich nicht zum Unfall gekommen.

Am nächsten Tag – die Gewissheit.
Es war Albert – und er verstarb am Unfallort.

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9 Kommentare zu “Einen Augenblick”

  1. Wie furchtbar! Aber sich Gedanken zu machen, ob man selbst etwas hätte verhindern können, weckt nur Schuldgefühle. Ich denke, das Schicksal eines jeden Menschen ist vorbestimmt.
    Seien wir wachsamer und achten wir auf das Wesentliche. Ein Rundumblick ist schon sehr viel wert.

    Alles Liebe und danke für deinen „Weckruf“,
    Anna-Lena

    Gefällt 2 Personen

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