„Letzte Heimkehr“ – J. F. von Eichendorff

Joseph Freiherr von Eichendorff - - Zeichnung von Franz Kugler

Letzte Heimkehr

Der Wintermorgen glänzt so klar,
Ein Wandrer kommt von ferne,
Ihn schüttelt Frost, es starrt sein Haar,
Ihm log die schöne Ferne,
Nun endlich will er rasten hier,
Er klopft an seines Vaters Tür.

Doch tot sind, die sonst aufgetan,
Verwandelt Hof und Habe,
Und fremde Leute sehn ihn an,
Als käm er aus dem Grabe;
Ihn schauert tief im Herzensgrund,
Ins Feld eilt er zur selben Stund.

Da sang kein Vöglein weit und breit,
Er lehnt’ an einem Baume,
Der schöne Garten lag verschneit,
Es war ihm wie im Traume,
Und wie die Morgenglocke klingt,
Im stillen Feld er niedersinkt.

Und als er aufsteht vom Gebet,
Nicht weiß, wohin sich wenden,
Ein schöner Jüngling bei ihm steht,
Faßt mild ihn bei den Händen:
»Komm mit, sollst ruhn nach kurzem Gang.« –
Er folgt, ihn rührt der Stimme Klang.

Nun durch die Bergeseinsamkeit
Sie wie zum Himmel steigen,
Kein Glockenklang mehr reicht so weit,
Sie sehn im öden Schweigen
Die Länder hinter sich verblühn,
Schon Sterne durch die Wipfel glühn.

Der Führer jetzt die Fackel sacht
Erhebt und schweigend schreitet,
Bei ihrem Schein die stille Nacht
Gleichwie ein Dom sich weitet,
Wo unsichtbare Hände baun –
Den Wandrer faßt ein heimlich Graun.

Er sprach: Was bringt der Wind herauf
So fremden Laut getragen,
Als hört ich ferner Ströme Lauf,
Dazwischen Glocken schlagen?
»Das ist des Nachtgesanges Wehn,
Sie loben Gott in stillen Höhn.«

Der Wandrer drauf: Ich kann nicht mehr –
Ists Morgen, der so blendet?
Was leuchten dort für Länder her? –
Sein Freund die Fackel wendet:
»Nun ruh zum letzten Male aus,
Wenn du erwachst, sind wir zu Haus.«

Joseph Freiherr von Eichendorff

Johanna Ambrosius – „Es ist genug“

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Es ist genug

Es ist genug! Hör‘ auf zu schlagen,
Im Staube liegt mein matt Gebein;
Du stillst des kleinsten Würmchens Klagen,
Soll ich allein vergessen sein?
Willst mich vernichten, wohl, ich stehe
Gewärtig Deines Schwertes Zug,
Nur tu‘ mit Schlägen nicht so wehe
Und halte ein. Es ist genug!

Es ist genug! Die Ketten brennen
Mit Höllenglut bis tief ins Herz,
Kein Wort kann ihn beim Namen nennen,
Den unermess’nen tiefen Schmerz.
Man löst dem Frevler seine Stricke,
Wenn zum Schafott ihn treibt der Fluch,
Begnad’ge Du mit einem Blicke
Doch meine Schuld. Es ist genug!

Es ist genug! Ich hab‘ gelitten,
Was nur auf Erden Leiden heißt,
Im Kampfe bis aufs Blut gestritten,
Und tief verwundet liegt mein Geist;
Sieh’ meiner Hände müdes Beben,
Hör‘ meinen schwachen Atemzug,
Du Richter über Tod und Leben,
Gib Frieden mir! Es ist genug!

Johanna Ambrosius

in den Farben Deiner Schöpfung

https://i0.wp.com/www.welt.de/img/news1/crop138694687/5139407832-ci16x9-w780/Zivilisten-leben-in-dem-seit-vier-Jahren-andauernden-Krieg-in-Syrien-gefaehrlich.jpg

Foto: Internet

in den Farben
Deiner Schöpfung
verliert sich meine Seele

ich weiß
oft ist es nur Fassade
und mich blendet trügerisch
der grelle Schein

hinter Kulissen
hängen Fäden unsichtbar
ziehst Du
Protagonisten ins Geschehn

doch aus Fassaden
werden Trümmer
Protagonisten
entziehen sich der Schuld

ich bin verwirrt
und frage:

reißen Deine Fäden
– oder ist es das
was Du gewollt?

durch die Wand (mit Neigung zur Posse)

dscn0748„Theaterkulisse pi 1“ – Acryl auf Leinwand, 100×70 cm

ein Körper
sollt nicht größer sein
als dass er seinen Kopf
in Würde tragen kann

sonst neigt
das Fleisch zu Dummheit
und in Übermut zu wuchern

es zeigt das Hirn
sich nicht in Muskelkraft

für Arbeit
braucht es wenig
und erreicht doch viel

darum bedenke nur
bevor du rennst:
– durch Wände
sieht das Hirn

und nie dein dummes Fleisch

Laura

dscn0763Acryl auf Leinwand, 70×100 cm

Francesco Petrarca

.

nie und nimmer
wird
dich Laura je erhören

ihre Anmut
speist den Schmerz
so lang du lebst

ihre Schönheit
soll dich immerzu betören

ihr Herz
gehört dir nie
auch wenn du
in den Wolken schwebst

in deinem Schmachten
gebarest du
die schönsten Weisen

doch Laura ?

sie geht beten nur
zur Kirche von Saint-Claire

Meiner besten Freundin Heike Kreitschmann

dscn0759Acryl auf Leinwand, 70×100 cm

Als Baum

Als Baum
trüge ich den Himmel
in meinen Ästen
und die Erde
in meinen Wurzeln

In mir
pochte die Welt
und Vögel
sängen im Schutz
meiner Zweige

Ich atmete
dich mit jeder Faser
und ließe Regen
wie Tränen
zu Boden fallen

Wasser brächte ich
zum Blühen
durch das
Blätterboote
still segelten

Als Baum
trüge ich den Mond
in meinem Schatten
und die Sonne
in meinem Herzen

(c) Heike Kreitschmann

.

Liebe Besucherinnen und Besucher,
dieses wunderschöne Gedicht ist aus dem tollen Büchlein „Im blauen Himmel“ meiner langjährigen und besten Freundin Heike Kreitschmann.
Herzlichen Dank, liebe Heike, dass ich es hier veröffentlichen darf!
Mehr über und von Heike Kreitschmann könnt ihr unter diesen beiden Links lesen und schauen:

https://heike-kreitschmann-lyrik.jimdo.com/

https://heike-kreitschmann-kunst.jimdo.com/