Großvaters Kornblumen

Großvaters Kornblumen

 

wo Gräser und Wildblumen
die Gräber gleichen
finde ich
deinen Namen nicht mehr

noch unvergessen
die Zeit mit dir
und deiner Liebe
lebt in Erinnerung

doch Tote schweigen

vielleicht
hören sie – wie ich
dem Singen der Vögel zu

und dem Rauschen des Windes

der durch das Wogen
von Wildnis zieht
wo einst Kornähren
in Wellen sich wiegten

nur Kornblumen blieben
und röten
mein Herz in Liebe

die mit mir sterben wird

Siebenbürgische Elegie – Adolf Meschendörfer

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Adolf Meschendörfer

Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit.
Früh faßt den staunenden Knaben Schauder der Ewigkeit.
Wohlvermauert in Grüften modert der Väter Gebein,
zögernd nur schlagen die Uhren, zögernd bröckelt der Stein.
Siehst du das Wappen am Tore? Längst verwelkte die Hand.
Völker kamen und gingen, selbst ihr Name entschwand.
Aber der fromme Bauer sät in den Totenschrein,
schneidet aus ihm sein Korn, keltert aus ihm seinen Wein.
Anders schmeckt hier der Märzwind, anders der Duft vom Heu,
anders klingt hier das Wort von Liebe und ewiger Treu.
Roter Mond, vieler Nächte einziggeliebter Freund,
bleichte die Stirne dem Jüngling, die der Mittag gebräunt,
reifte ihn wie der gewaltige Tod mit betäubendem Ruch,
wie in grünlichem Dämmer Eichbaum mit weisem Spruch.
Ehern wie die Gestirne zogen die Jahre herauf,
ach, schon ist es September. Langsam neigt sich ihr Lauf.

Vom Wandel der Zeit – III

Vielleicht habe ich nicht oft einen Grund dafür, mich oder mein Leben zu feiern. Und wenn ich es manchmal tue, bin ich der festen Überzeugung auf das Erreichte ruhig auch mal stolz sein zu dürfen.
Auch hebt sich vielleicht ein Feiermoment, materiell gesehen, heute nicht mehr wesentlich vom üblichen Alltag ab – hat man doch eigentlich immer und alles, was man braucht.
Dies zu schätzen – blickt man in die Welt da draußen – kann oft eine Gratwanderung sein.

Wohlstand ist eben nicht immer und überall selbstverständlich.
… und so manche Erinnerung kratzt tiefe Furchen ins Bewusstsein und die Wahrnehmung oder den Umgang mit der neuen Zeit.

In meiner Kindheit hatte ich zum Anziehen dreierlei Klamotten. … und dies jeweils nur in einer Ausführung.
Sonntagskleidung zog man natürlich nur sonntags oder zu Feierlichkeiten an.
Wenn diese in die Jahre kam, wurde sie zu Alltagskleidung – und danach wiederum zu Arbeitskleidung.
… und getragen, bis kein Flicken mehr auf dem anderen hielt.

Sonntagskleidung wurde nur zu bestimmten Anlässen – und nur, wenn unbedingt nötig gekauft, oder was damals billiger war – man ließ sie vom örtlichen Schneider anfertigen.

Einer dieser Anlässe war die Konfirmation.

Man wurde während der achten Klasse konfirmiert und galt ab diesem Tag schon fast als erwachsen – durfte nun auch mal in die Nacht hinein feiern, dabei sogar Alkohol trinken.

Zur Konfirmation erlaubten mir meine Eltern, eine Hose anfertigen zu lassen.
… natürlich meine erste „Trapezhose“ – über die Breite des „Schlages“ musste ich mich vorher mit ihnen unterhalten.
Doch freute ich mich sehr über diese Hose – konnte ich doch das erste Mal meine Wünsche und Vorstellungen dazu äußern
.
Aber der Gedanke frei darüber verfügen zu dürfen, sollte sich als Irrtum erweisen.
… dies als die achte Klasse zu Ende ging.

Da in Siebenbürgen bis zur Achten alle Kinder zur örtlichen Gemeinschaftsschule gingen, entschied man erst danach, in welche weiterführende Schule man nun gehen sollte.

Doch wie überall, stand zu diesem Anlass nun erst mal eine Abschlussfeier an.
Wir durften hierfür einen Gemeindesaal nutzen, den wir schmückten.
Natürlich trugen wir Essen und Getränke und Musik zusammen und freuten uns sehr auf diese Feier.

Nachdem alles vorbereitet war, gingen wir nach Hause, um uns umzuziehen und etwas herzurichten.

Ich badete – was zu dieser Zeit mit ziemlich viel Arbeit verbunden war.
Da kein fließendes Leitungswasser vorhanden war, schöpfte ich das Wasser mit Eimern aus dem Grundwasserbrunnen, machte es auf dem Gasherd warm und goss es dann in die verzinkte, alte Badewanne.
Diese Prozedur gönnte man sich nur einmal in der Woche – Gas war nicht gerade billig.

Fertig mit baden, richtete ich meine Feierkleidung her – und natürlich sollte die neue Hose dazugehören.

Noch hatte ich diesbezüglich mein Vorhaben meinen Eltern nicht mitgeteilt – ich ging davon aus, dass dies selbstverständlich sein sollte.

Mutter kam dazu, als die Hose noch auf dem Bett ausgebreitet lag. … und sagte mir, dass ich diese nicht anziehen dürfe – sie sei noch zu gut und zu neu, ich müsse sie schonen, es dürfe ihr nichts passieren.

Ich widersprach ihr – zumal als Alternative nur eine Hose in Frage kam, die schon am Knie „gestopft“ war – und dies ziemlich offensichtlich.
Mein Bitten half nichts.
Darauf teilte ich Mutter mit, dass ich dann lieber nicht zur Feier gehen mochte.

Da wir mit dem Streit nicht weiter kamen, ging Mutter aus dem Haus und holte Vater aus der Werkstatt.
Der kam gleich mit einem langen, breiten Holzspan und fragte mich, ob ich wirklich zu Hause bleiben mochte.

Ich erklärte und begründete ihm nochmal die Situation und bejahte seine Frage.

Vater redete nicht viel und schlug mir mit dem Eichenspan in voller Wut auf die nackten Beine.
… ich weiß nicht mehr wie oft und wie lange.
Es tat höllisch weh und kurz darauf waren meine Beine übersät mit blutunterlaufenen und geschwollenen Striemen.

… und Vater befahl mir, die gestopfte Hose anzuziehen und feiern zu gehen.

… und ich ging feiern.

ich sehe

wecke mich nicht
wenn ich barfuß im Grase
durch unseren Garten gehe

weich
über moosgrüne Träume gleite
und im Schatten
der Magnolie versinke

die Farben leuchten
nach diesem Sommerregen
dem Himmel entgegen

und es zirpt aus duftenden Rosen
und es piepst in gekühlten Dächern
aus den Bäumen amseln mir Lieder zu

nein – wecke mich nicht

ich will Leben
und schließe die Augen
und ich sehe

Michael kocht

heute: – Gemüseeintopf – vegetarisch, oder fast vegetarisch

 

die Zutaten sind sehr variabel:

rote Zwiebeln, Lauch, Sellerie, Karotten, frische Pilze, Frühlingszwiebeln, grüne Stangenbohnen, Spargel, verschiedene Paprika, Fleischtomaten, Reis, Petersilie, wer mag – etwas Hähnchenfleisch oder/und Garnelen, heute nicht dabei – Zucchini, Auberginen, Maiskörner, Bohnen, Erbsen, unbedingt bunte Pfefferkörner, Salz, Olivenöl …

Ihr seht, man kann fast alles reintun, was so wächst. … alles ist-  wie auf dem Foto – grob geschnitten.

Großer Topf – Öl – Zwiebeln anbraten – Karotten – Sellerie – Stangenbohnen – Spargel – Pilze – Paprika – Reis – Lauch …

… wählt die Reihenfolge, wie ihr möchtet – ich finde, der Garpunkt ist Geschmacksache. Wenn ihr Hähnchenfleisch nehmt tut es etwas anbraten.

Ansonsten könnt ihr wenig falsch machen – ausprobieren.

Dazu gibt`s Baguette, etwas Creme Fraiche (einfach oben drauf), leichten Weißwein, Apfelschorle – oder wie hier ein Weizenbier.