du fragst nicht mehr

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ich höre deine Stimme
nicht mehr
du bist so weit
meines Traumes entrückt

hab dich im Dunkel verloren
das Leuchten
deiner Augen zerstört

du fragst nicht mehr
du leerst deinen Sinn

deinen Füßen
brechen die Pfade
das Meer
weicht deinem Schiff

deine Wiege
sah ich im Winde schweben
doch die Zeit
floss mit der Hoffnung dahin

Hagnauer Weinfest

Bildergebnis für hagnau bilderHagnau am Bodensee
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wenn vom alten Torkel
Musik zu den Weinbergen steigt
und im lauen Sommerabend
das leise Plätschern des Sees
süß die Trauben
zur Ruhe wiegt
die Wilhelmshöhe in Rot
von der Sonne gemalt
sich schlafen legt
komme ich wieder
und wir singen
von der Fischerin
am Ufer bei lieblichem Wein
und die Kapelle spielt
als stehe die Zeit heute still
kein Gestern, kein Morgen
vergessen die Welt

von der Ewigkeit

könnt ich die Ewigkeit sehen
würde ich vielleicht
aus ihrer Quelle trinken
und fischend
durch ihre Auen fahrn

tausend Namen
könnt ich
in den Himmel schreiben
Buchstaben
gepunktet mit Sternen

vielleicht
aufhören zu weinen
meinen Tränen
das Salz entziehen
Sonnenblumen gießen

um von ihnen zu lernen
mein Gesicht
dem Lichte zu drehn

die Alten
könnte ich trösten
und Jungen Flügel verleihen
die Armen umarmen
ihnen ein Bruder sein

die Welt
auf Händen tragen
sanft
bis zur Unendlichkeit

Vom Wandel der Zeit – IV (Det Frägohr kit en de Wegden,)

Kleinschelken (Blick vom Kirchturm der ev. Kirche)

Vom Wandel der Zeit – IV (Det Frägohr kit en de Wegden,)

Spielten wir im Winter meist in der Nähe des Dorfes, am und im zugefrorenen Bach und im Dorf selbst, zog es uns sobald der erste Schnee schmolz in die umliegenden Berge und Wälder.

Wir waren fröhliche Kinder und wir nutzten die ganze Umgebung von Kleinschelken als Spielplatz. Wahrscheinlich half dem einen oder anderen diese scheinbar grenzenlose Freiheit über so manche oft unschönen Dinge, die sich unter den alten Dächern ereigneten hinweg – vom Berg und damit von oben herab fühlte sich vieles ganz anders an.

Bei unseren ersten Ausschwärmungen in die Landschaft stimmten wir oft Lieder an und sangen so laut und vergnügt und ausgelassen, wie ich es heute sehr gerne ab und zu von mir selbst wieder hören möchte. … wie gern würde  ich ab und zu die Zeit in diese Momente zurückdrehen!

An eines dieser Lieder erinnere ich mich ganz besonders gerne – erst viel später erfuhr ich, dass es Grete Lienert, diese wunderbare siebenbürgische Volksdichterin schrieb:

Det Frägohr kit en de Wegden,
neu zähn mer Fleircher schnedgen
af’t Field un de Bauch, än den Bäsch.
Paulemitzker sen erwaucht vum Dreimen,
all soingen bruoingen mer se heimen,
[:eus Harzker schloon esi friu ouch fräsch.:]

Kut, kut net sätzt nor äm Schaden,
klappt fiest ihr Komeraten,
bes dat de Schuul sich leist.
De Meidcher dä hun Bleumen fangden,
en hun schiun Krinz fiur eus gebangden,
[: hurra, neu warde mer bekrinzt! :]

Heirt wä de Fleircher kloingen!
Heirt wä de Meidcher soingen!
Daut schollt durch de guenz Gemein.
Mir sen de Frägohrsmusikanten
en spillen wä de Adjuvanten.
[: Et froaet sich oelles – Grius uch Klein.:]

Ich versuche es zu übersetzen:

Das Frühjahr kommt in die Weiden
nun ziehn wir Pfeifchen schneiden
aufs Feld an den Bach in den Wald.
Palmkätzchen sind erwacht vom träumen
singend bringen wir sie heim,
[: unsere Herzchen schlagen so froh und frisch:]

Kommt, kommt sitzt nicht nur im Schatten,
klopft fest ihr Kameraden,
bis dass die Schale sich löst.
Die Mädchen haben Blumen gefunden
und haben schon Kränze für uns gebunden,
[: hurra, nun werden wir bekränzt!:]

Hört wie die Pfeifchen klingen!
Hört wie die Mädchen singen!
Das schallt durch die ganze Gemeinde.
Wir sind die Frühjahrsmusikanten
Und spielen wie die Adjuvanten.
[: Es freut sich alles Groß und Klein:]