Vom Wandel der Zeit – IV (Det Frägohr kit en de Wegden,)

Kleinschelken (Blick vom Kirchturm der ev. Kirche)

Vom Wandel der Zeit – IV (Det Frägohr kit en de Wegden,)

Spielten wir im Winter meist in der Nähe des Dorfes, am und im zugefrorenen Bach und im Dorf selbst, zog es uns sobald der erste Schnee schmolz in die umliegenden Berge und Wälder.

Wir waren fröhliche Kinder und wir nutzten die ganze Umgebung von Kleinschelken als Spielplatz. Wahrscheinlich half dem einen oder anderen diese scheinbar grenzenlose Freiheit über so manche oft unschönen Dinge, die sich unter den alten Dächern ereigneten hinweg – vom Berg und damit von oben herab fühlte sich vieles ganz anders an.

Bei unseren ersten Ausschwärmungen in die Landschaft stimmten wir oft Lieder an und sangen so laut und vergnügt und ausgelassen, wie ich es heute sehr gerne ab und zu von mir selbst wieder hören möchte. … wie gern würde  ich ab und zu die Zeit in diese Momente zurückdrehen!

An eines dieser Lieder erinnere ich mich ganz besonders gerne – erst viel später erfuhr ich, dass es Grete Lienert, diese wunderbare siebenbürgische Volksdichterin schrieb:

Det Frägohr kit en de Wegden,
neu zähn mer Fleircher schnedgen
af’t Field un de Bauch, än den Bäsch.
Paulemitzker sen erwaucht vum Dreimen,
all soingen bruoingen mer se heimen,
[:eus Harzker schloon esi friu ouch fräsch.:]

Kut, kut net sätzt nor äm Schaden,
klappt fiest ihr Komeraten,
bes dat de Schuul sich leist.
De Meidcher dä hun Bleumen fangden,
en hun schiun Krinz fiur eus gebangden,
[: hurra, neu warde mer bekrinzt! :]

Heirt wä de Fleircher kloingen!
Heirt wä de Meidcher soingen!
Daut schollt durch de guenz Gemein.
Mir sen de Frägohrsmusikanten
en spillen wä de Adjuvanten.
[: Et froaet sich oelles – Grius uch Klein.:]

Ich versuche es zu übersetzen:

Das Frühjahr kommt in die Weiden
nun ziehn wir Pfeifchen schneiden
aufs Feld an den Bach in den Wald.
Palmkätzchen sind erwacht vom träumen
singend bringen wir sie heim,
[: unsere Herzchen schlagen so froh und frisch:]

Kommt, kommt sitzt nicht nur im Schatten,
klopft fest ihr Kameraden,
bis dass die Schale sich löst.
Die Mädchen haben Blumen gefunden
und haben schon Kränze für uns gebunden,
[: hurra, nun werden wir bekränzt!:]

Hört wie die Pfeifchen klingen!
Hört wie die Mädchen singen!
Das schallt durch die ganze Gemeinde.
Wir sind die Frühjahrsmusikanten
Und spielen wie die Adjuvanten.
[: Es freut sich alles Groß und Klein:]

Advertisements

2 Kommentare zu “Vom Wandel der Zeit – IV (Det Frägohr kit en de Wegden,)”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s