Paul Celan

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Aus Herzen und Hirnen
sprießen die Halme der Nacht,
und ein Wort, von Sensen gesprochen,
neigt sie ins Leben.

Stumm wie sie
wehn wir der Welt entgegen:
unsere Blicke,
getauscht, um getröstet zu sein,
tasten sich vor,
winken uns dunkel heran.

Blicklos
schweigt nun dein Aug in mein Aug sich,
wandernd
heb ich dein Herz an die Lippen,
hebst du mein Herz an die deinen:
was wir jetzt trinken,
stillt den Durst der Stunden;
was wir jetzt sind,
schenken die Stunden der Zeit ein.

Munden wir ihr?
Kein Laut und kein Licht
schlüpft zwischen uns, es zu sagen.

O Halme, ihr Halme.
Ihr Halme der Nacht.

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der wind hat sich gelegt

und wieder schweigst du
wie die birkenblätter
die zwischen den steinen
ihren halt suchten

der wind hat sich gelegt
doch es ist kalt geworden
in diesen novembertagen

manchmal glaube ich
du stiegst aus dem grab
und sitzt in weiß gerindeten
ästen der bäume

still und unsichtbar

ich blicke hinauf
durch dünne zweige –
dahinter ein meer
von dunklen wolken – schwer
geladen mit schnee

du weißt
dass mich friert

die zeit der wärmenden
worte floh vor dem gestern
hinaus, in die ewigkeit

vielleicht pflücktest du sie

ich zünde ein licht
nur ganz klein –
doch ich schenke es dir

lohnt es nicht

was sind schon fünfzig
oder sechzig Jahre
und dieses täglich` Streben
nach dem Glück

geschundene Hände kleben
sterbend an den Schollen
Sensen mähen Tage
Stück für Stück

die Erde
dreht beständig ihre Kreise
gen` westen sinkt das Licht
und kehrt von osten wieder

und Leben geht
mit Wehmut – aber leise
die Tage zählen
lohnt es nicht

Mathildas Tag

 

für Mathilda

 

nur ein paar Stunden
bist du da
und ruhst ein erstes Mal
in meinen Händen

ich halt dich weich
und will die Augen nimmer schließen
du schläfst begnügt
und siehst so glücklich aus

wie schön du bist
und zart und klein
doch groß
in unsern Herzen

deine Anmut fesselt mich
mein Tag
soll ewig deiner sein