Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 

Rainer Maria Rilke, Paris, im Herbst 1902

blaugrüne tage

blaugrüne tage gehen
wie der wind
der schimmernde wellen
‚gen osten treibt

obsttupfer säumen den blick
reif und ohne wiederkehr
noch ein letztes mal
male ich meine gedanken
in die erinnerung

stunden
sind längst schon gezählt
und ich schließe die türe zum see
und ich weiß
ein jahr muss vergehen

nur eines von vielen

und doch
enteilt mir die zeit –
wer weiß schon wohin

Spätzelein

Gestern abend hatte ich eine wunderschöne Begegnung.
Als wir auf der Seeterrasse beim Essen saßen, kam ein kleiner Spatz. Er setzte sich kurz auf den Brotkorb-Rand, sah uns an und nahm dann auf der Lehne des Stuhls neben mir Platz. Dabei blickte er abwechselnd zum Brotkorb und zu mir.
Als ich ein Stück Brot nahm, beugte sich der Piepmatz schon in meine Richtung vor.
Ich brach Stückchen und reichte sie ihm.
… und er pickte sie an unserem Tisch aus meiner Hand.
Ein Foto dazu wäre schon toll gewesen. Daran haben wir in diesem Moment aber nicht mehr gedacht.

Im Moment …


… hab ich gerade das Foto gemacht, sehe wie gerade der Säntis immer dunkelblauer wird, genieße die Ruhe auf der Terrasse, denke an unseren Freund Werner, den wir in Friedrichshafen trafen und mit ihm einen wunderschönen Nachmittag verbrachten (inzwischen gehen die Lichter in der Schweiz an), wird es langsam dunkel. Unsere Nachbarn sind gerade bei der Seebühne in Bregenz – ich wünsche ihnen, dass das Wetter hält!

entführt

Nachdem man in der lauschigen Laube des  „Löwen“ in Hagnau sehr lecker gegessen hat, nimmt man sich noch ein Glas Weißburgunder und geht in den dahinter liegenden, weitläufigen japanischen Garten, den der Senior-Chef mit viel Sachverstand und Liebe zum Detail selbst angelegt hat, wo man den Abend sehr gemütlich und ruhig, an vereinzelten  weißen Tischen, unter prächtigen exotischen Pflanzen, in gemütlichen Rattansesseln ausklingen lässt.