Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 

Rainer Maria Rilke, Paris, im Herbst 1902

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6 Kommentare zu „Herbsttag“

      1. Das stimmt.
        Zum Glück ist es ein ewiger Kreislauf vom Sterben zum Werden und Sein.
        Ich mag den Frühling und Herbst am Liebsten. Alles ist bunt und leuchtend und die Temperaturen sind angenehm. Mehr bräuchte ich nicht.

        Gefällt 1 Person

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