Isabelle Kaiser

Seelchen

Wenn ich nächtlich um dich weine,
Wandert meine Seele aus,
Kleine Seele sucht die deine,
Schleicht sich scheu nach deinem Haus.

Seelchen braucht kein Weggeleite,
Niemand sieht den stummen Gast,
Schmiegt sich leise dir zur Seite,
Nimmt dir ab des Tages Last.

Seelchen wiegt in sanftem Schlummer
Dich mit seinem Liede ein,
Und es schweigt vom eignen Kummer
Küßt dein Haupt im Sternenschein.

Wenn es will im Osten tagen,
Zieht’s von dannen leis und lind,
Daß im Haus die Menschen sagen:
„Horch! das ist der Morgenwind!“

Traumbild

Nächtlich trat ich in das Zimmer,
Wo mein Freund am Schreibtisch stand,
Leuchtend fiel der Lampenschimmer
Auf mein festliches Gewand.

Mahnend legt‘ ich meine Hände
Auf des Denkers müdes Haupt:
„Ist die Arbeit nicht zu Ende,
Die dich mir so lang geraubt?“

„Sieh, das Leben geht vorüber,
Ungenossen bleibt die Lust,
Unser Blick wird trüb und trüber,
Ruh dich aus an meiner Brust.“

Langsam hob der Freund die Lider,
Sah mich an und sprach kein Wort.
Schauernd zog’s durch meine Glieder,
Und still weinend ging ich fort.

Entsagen

Und war mir nicht beschieden
Dein Lenz, so laß mich sein
Im herbstlich goldnen Frieden
Dein Abendsonnenschein.

Und faßt auch deine Rechte
Nimmer die Hände mein,
Die Ruhe deiner Nächte,
Dein Traumbild laß mich sein!

Und wiegten andere Lieder
In Lieb und Lust dich ein:
Bricht still die Nacht hernieder,
Laß dein Gebet mich sein!

Totenzug

Die Toten ruhen nicht im Grabe,
Sie weilen nicht im Aschenkrug,
Die Toten ziehn am Wanderstabe,
Ein großer, heil’ger Pilgerzug.

Die Toten ehren unsre Trauer,
Sie kommen auf dem Wolkensteg,
Sie sind im stürm, im Regenschauer,
Sie sind der Schatten auf dem Weg.

Die Toten sind die stummen Gäste,
Sie bitten um ihr täglich Brot,
Sie stören nicht den Klang der Feste,
Sie teilen nur der Nächte Not.

Sie ziehn zur Allerseelenfeier
In unsre stillen Hütten ein,
Sie heben scheu den Nebelschleier
Und sehn uns an im Dämmerschein.

Die Toten ruhen nicht im Grabe,
Sie weilen nicht im Aschenkrug,
Die Toten ziehn am Wanderstabe,
Ein großer, heil’ger Pilgerzug.

Winterlied

Gib deine Hand, daß ich sie halte,
Der Frühling ist vorbei.
Es heult am Tor der Wind, der kalte,
Gib deine Hand, daß ich sie halte,
Dann ist es wieder Mai.

Laß deine Augen auf mir ruhen,
Die Welt ist öd und grau,
Der Winter naht auf leisen Schuhen.
Laß deine Augen auf mir ruhen,
Dann ist der Himmel blau.

Laß über mir dein Lächeln schweben,
Vorüber ist der Traum,
Das graue Sterben Zwingt die Reben.
Laß über mir dein Lächeln schweben,
Dann blüht der Rosenbaum.

Laß uns des Schweigens Stimme lauschen,
Der Tod zieht durch das Tal,
Verstummt ist Waldes Lied und Rauschen.
Laß uns des Schweigens Stimme lauschen,
Dann singt die Nachtigall.

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Therapiezeit

Hier entsteht ein Schaukeleselchen zu Mathildchens erstem Geburtstag. Das Holz für den Rohling hab ich aus einer 28 mm dicken Holzablage in Schichten zusammengeleimt. Die Ablage hatten wir vor unserer Küchenrenovierung über unserer Theke – darin integriert waren 3 Halogenlämpchen , die unsere eigenen Kinder von klein auf und uns 25 Jahre lang, bei jeder Mahlzeit beleuchtet haben.

Eduard Mörike – Liebesglück

Liebesglück

Wenn Dichter oft in warmen Phantasieen,
von Liebesglück und schmerzlichem Vergnügen,
sich oder uns, nach ihrer Art, belügen,
so sei dies Spielwerk ihnen gern verziehen.

Mir aber hat ein gütger Gott verliehen,
den Himmel, den sie träumen, zu durchfliegen,
ich sah die Anmut mir im Arm sich schmiegen,
der Unschuld Blick von raschem Feuer glühen.

Auch ich trug einst der Liebe Müh und Lasten,
verschmähte nicht den herben Kelch zu trinken,
damit ich seine Lust nun ganz empfinde.

Und dennoch gleich ich jenen Erzphantasten:
mir will mein Glück so unermeßlich dünken,
daß ich mir oft im wachen Traum verschwinde.

Von Äpfeln aus Peru

Die nächsten zwei Monate reichen mir sicher die Äpfel aus dem eigenen Garten. In dieser Zeit brauche ich keine kaufen.
Was ich sonst noch so im Garten ernte, will ich hier nicht aufzählen – es tut nix zur Sache.
Und wenn der Garten das, was ich von ihm erwarte nicht mehr hergibt, kaufe ich es vorrangig im Bauernladen, im gerade mal 2 km entfernten Nachbarort.
Doch heute war ich wegen ein paar Zitronen bei Aldi. Es gibt schon noch einiges, weswegen ich zu Discountern gehe.
So also auch heute.
Beim Obst und Gemüse stand eine ältere Dame und machte mich auf Äpfel aufmerksam, an denen ich sicher einfach nur vorbeigegangen wäre.
Äpfel aus Peru – sechs-Stück-ein-Kilo-Packung, für 3 Euro 29.
Dies hat mich heute den ganzen restlichen Tag beschäftigt.
Vor einem Monat noch, wanderte ich am Bodensee durch Obstplantagen – so weit das Auge reichte.
Gerade an Äpfeln ist Deutschland sicher ein Großproduzent.
Weiß irgendjemand eine Antwort auf die simple Frage, warum man in einem Apfelland wie Deutschland, in der Zeit einer sehr guten Ernte, Äpfel vom anderen Ende der Welt importiert? … diese dann sogar zum doppelten Preis, im Vergleich zu Äpfeln vom Bauern um die Ecke verkauft?
Für mich ist diese Äpfelsache ein Grund zu überlegen, diesen Discounter in Zukunft überhaupt zu meiden.
Es ist einfach eine Sünde, was Aldi hier tut.