„Standpunktortung“

Ihr Lieben,,
erstmal herzlichen Dank, für Eure Kommentare zum Thema Gender!
Ich selbst hab mit mir etwas gehadert, war mir nicht im Klaren darüber, ob ich darauf antworten soll, oder nicht.
Zu diesem Thema steht jedem seine eigene Meinung zu.
… und sicher gibt es gute Gründe, für oder gegen eine Neuordnung der deutschen Sprache.
Doch ich glaube, zum jetzigen Zeitpunkt ist unsere Gesellschaft zu einer vernünftigen und guten Lösung nicht fähig.
Wir Deutsche haben uns zu einem Volk entwickelt, das alle wichtigen Entscheidungen im Vorfeld erstmal jahrelang durchdiskutiert, um dann am Ende zu einem Kompromiss zusammenzufinden
Mag sein, dass wir ein Volk von Individualisten geworden sind, in dem jeder danach bestrebt ist, erstmal sein eigenes Süppchen zu kochen. … ich erinnere nur an meine Einstellung über den hirnschissigen Beschluss der Jusos, in dem diese dafür plädieren, Kinder praktisch bis zur Geburt noch abtreiben zu dürfen.
Um Klarfext zu reden. Wir sollten damit aufhören jedem Furz, der (oh der ist männlich) irgend jemand im Bauch rumort nachzugehen.
… und damit möchte ich keineswegs Schwangerschaften verharmlosen, sodern meine dies an dieser Stelle ausschließlich im Bezug auf eine eventuelle Sprachreform.
Denn sollte hier ein Kompromiss zu einer Entscheidung führen, erkennen wir nachher die deutsche Sprache nicht wieder.

Sicher gibt es schöne Ideen – aber auch völlig absurde. Ich persönlich wäre deswegen gegen eine eventuelle staatlich verordnete Lösung, zu der einfach zu viele „Professx“ zusammengefunden hätten.

Alma Leschivo – Wach auf!

In deinem Auge ruht verborgen
Noch unberührt‘ geheime Glut!
Heiß sehn‘ ich mich sie zu erwecken,
Doch fand bisher ich nicht den Muth!

Zu stolze Brau’n dein Aug‘ bewachen,
Wie zürnend sie dein Kühnen droh’n,
Der sich, durch deinen Blick bezwungen,
Begehret deine Lieb‘ als Lohn. —

Schürz‘ nur die Brauen, schließ‘ die Lider!
Ein Flammenmeer erstickt sich nicht!
Ich zwing‘ die Glut aus deinen Augen,
Wenn erst mein Herz zu deinem spricht!

Denn einmal sprühn in lichten Flammen
Muß ich dein tiefes Auge sehn!
Und sollte von den glüh’nden Strahlen
Geblendet ich durch’s Leben gehn!

Antonie Jüngst – Ein verlorener Ton

Es hallt‘ durch meine Träume
gar süße Melodie,
ein Ton wie Engelsharfen,
wie Sphärenharmonie.

Bei seinem Klange rauschte
ein Silberquell empor,
deckt‘ sich der rauhe Felsen
mit buntem Blumenflor.

In Wonneschauern hauchte
die sonnengoldne Luft
und trug auf ihren Schwingen
den zartsten Rosenduft.

Es blüht‘ und glüht‘ und tönte
das weite Tal entlang,
ein Wonnerausch von Blüten,
ein Jubelrausch von Klang.

Erwachend — bange Stille
und tiefes Graun der Nacht,
verstummt die süße Weise,
verwelkt die Zauberpracht.

Seit diesem Traume irre
bang suchend ich umher:
Ich hab‘ den Ton verloren
und find‘ ihn nimmermehr.

Raphael Muhr – winter in the park

Vor ein paar Monaten stellte ich euch Raphael Muhr, den ich damals kennenlernte, kurz vor.
Link dazu:

https://kunstlyrikhermann.wordpress.com/2018/05/03/begegnung-mit-raphael-muhr/

Damals erwähnte ich auch, dass Raphael auch Musik komponiert. Jedoch lagen mir keine Möglichkeiten vor, euch seine musikalischen Werke zugänglich zu machen.
Inzwischen ist Raphael bei souncloud und somit sind seine Werke öffentlich aufrufbar.
Hier der Link zu einem seiner Stücke:

https://soundcloud.com/user-427228031/winter-in-the-park

Unter „paint – germain“ und dem „Mädchen mit dem Perlohrring“ könnt ihr noch mehr von ihm hören.

Julie von Ende – Die Linde

Großmütterchen, o bitte, sprich:
Was ist es mit der Linde,
Wer hat die Namen eingeritzt
Dort in des Baumes Rinde?
Du schmückst sie ja in jedem Jahr,
An einem Tag im Lenze,
Und windest noch mit eigener Hand
Darum die schönsten Kränze.

Großmütterlein so traurig spricht:
Hier unter dieser Linde,
Da fand ich einst mein Jugendglück,
Jetzt ist’s verweht im Winde.
Und jene Namen, die du schaust,
In Liebe eng verwoben,
Die rühren her von seiner Hand,
Der längst im Himmel droben.

Joseph von Eichendorff – Mondnacht

Bild: – Ralph Albert Blakelock

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Herzlichen Dank an die Leserin, die mich auf dieses Gedicht aufmerksam gemacht hat! 🌹

an die großväter

Foto Anfang der 1980-er: – die Opas Andreas und Simon

manchmal
wenn ich träume
und ich fliege über die wälder
weit aus der zeit

oder ist
es das leben, das fliegt
und ich gleite
auf seinen flügeln dahin

und ich halte mich fest
an der erinnerung
an deinem letzten blick

höre ich dich rufen

auch wenn deine stimme
längst verklungen, vergraben
unter erde und stein

allein – fern, wie du
in diesem entfremdeten land
das meine seele nicht nährt