Therapiezeit – (Blick) Perspektiven

… oder vom Sinn der Sinnlosigkeit

Wer verliert in dem, was sein muss und dem was sein soll, nicht den Überblick über Sinn und Sinnlosigkeit? 

Fragt mich zur Zeit jemand danach, was ich gerade mache, so antworte ich meist mit: – „Nix.“.  … natürlich nur in der Zeit, die ich mir zwei Mal die Woche nehme, um zwei Stunden lang einfach nur sinnloses Zeug zu tun.

Bei meinem neuen Projekt will ich einfach den Holzabfallkarton durchwühlen und die Rest-Schnitt-Stücke (fast) wahllos und ohne weitere Bearbeitung zusammenleimen. Ich weiß nicht was daraus wird, nicht wie lange ich daran „arbeiten“ werde und schon gar nicht, wie groß „es“ sein wird, wenn ich damit aufhöre. Ich will auch gar nicht an Fertigstellung denken. Ich mache eben nix.

Josephine von Knorr – Antwort

O frage nicht, was mein Entscheiden,
o dring nicht so in mich hinein —
den innern Kampf, laß mich ihn leiden,
in mich verschlossen und allein.

Wie eine Werkstatt, eine Schmiede
ist oft das menschliche Gemüt;
eh‘ sich gestalten kann der Friede,
wird d’rin gehämmert und geglüht.

Da darfst du nicht den Meister fragen,
was dieses und was jenes wird,
mußt lassen ihn an Arbeitstagen
bei seinem Werke unbeirrt.

Da darfst du nicht die Richtung weisen
der Hand, die kundig er gebraucht,
nicht rechten erst, wenn er das Eisen
in Feuer oder Wasser taucht.

Die Stunde kommt und wird bezeigen,
in welche Form er es gebannt —
und mich — mich laß in meinem Schweigen,
bis meine Seele ausgebrannt!

Anna Ritter – Fata Morgana

Mir ist, wir stünden Hand in Hand
noch einmal an der lieben Stelle,
da jener Traum uns aufgeblüht.
Vom Abendsonnenschein umglüht,
liegt gar so still die Wiese dort,
in Blüthen steht die alte Linde,
und grüßend wandert mit dem Winde
ein ungesprochnes, süßes Wort.
Es sickert immer noch die Quelle
leis raunend übern Brunnenstein –
der alte Zauber spinnt mich ein …
Und wie die Pilger an der Schwelle
des Heiligsten fromm niederknien,
so neig‘ ich mich in stillem Beten,
denn dieses Stückchen Erdenland
hat einst des Glückes Fuß betreten
und heilig, heilig ist der Ort.

… und nochmal Storm

An die entfernte M

Eilende Winde,
wieget euch linde,
säuselt mein Liedchen der Lieblichen vor;
Vögelein, singet,
Vögelein, bringet
Töne der Lust vor ihr lauschendes Ohr!
Öffne dich, Rose,
schwellet, ihr Moose,
reiht euch, ihr Blumen, zum duftigen Strauß;
weilt ihr am Herzen,
horcht ihren Scherzen,
bannet den trübenden Kummer hinaus.
Schimmernde Sterne,
strahlt aus der Ferne
himmlischer Höhen ihr Freude und Lust,
freundliche Sterne,
wärt ihr nicht ferne,
leuchtet ihr, tröstend die liebende Brust.

Theodor Storm

Theodor Storm – Mein schönes Wunderland

Es schwimmt auf hohen Wogen
ein schönes Wunderland;
bald nah, bald wieder ferne,
von wen’gen nur gekannt.

Ein Land, wo ew’ge Sonnen
am Firmamente stehn,
wo wunderschöne Menschen
in Rosen schlafen gehn.

Wo Märchenbilder rauschen
durch laue Waldesnacht
und Blumen Küsse tauschen
in tausendfarb’ger Pracht.

Wo Liebe, Götterfreiheit
das reine Leben küßt;
wo alles voller Wunder,
wo alles glücklich ist. 

Ach, nur in Liedern weilet
mein Land so schön und hehr;
ich mag es hoffen, ahnen,
doch schauen nimmermehr.

Von O bis O

Gestern Abend fiel mir ein, dass ich letztes Jahr sehr lange ohne Schuhe unterwegs war.
… na ja – eigentlich nur zu Hause, im Garten und im Carport und sonst so ums Haus herum.
Dies aber von morgens bis abends, mit Arbeit (und ich hab ja einiges gemacht) und ohne Arbeit. … und zwar von Anfang Mai an, bis in den Oktober hinein.
Bei diesem wunderschönen Osterwetter hab ich nun die Schuhe wieder ausgezogen.
Und ich nehme mir vor, dass dies auch so bleibt – wieder so lange, wie 2018.
Es ist einfach toll, den Boden unter den Füßen zu fühlen und zu spüren.
… konsequent.
Habt ihr das für eine längere Zeit schon mal gemacht?

O könnt‘ ich einmal – Wolfgang Müller von Königswinter

O könnt’ ich einmal dich als Ross,
Du gold’ne Sonne, reiten,
Und könnten dann als schwarzer Tross
Die Wolken uns begleiten.

Und ließe hinter uns der Nord
Die wilde Peitsche knallen,
Und ließ er, ging es stürmend fort,
Das laute Horn erschallen.

Ha in dem Saus, ha in dem Braus,
Im Klang der mächt’gen Lieder,
Zög’ in des Meeres gold’nes Haus
Ich jubelnd mit dir nieder.

Gleich dir, so wollt’ ich baden mich
In tiefster Fluten Kühle,
Gleich dir wollt ich entladen mich
Der dumpfen Erdenschwüle.

Und stiegen wir im Ost empor
In frühen Morgenstunden,
War frei das Aug’ vom düstern Flor,
Heil wär das Herz der Wunden.