Hagnauer Weinfest

wenn vom alten Torkel
Musik zu den Weinbergen steigt
und im lauen Sommerabend
das leise Plätschern des Sees
süß die Trauben
zur Ruhe wiegt
die Wilhelmshöhe in Rot
von der Sonne gemalt
sich schlafen legt
komme ich wieder
und wir singen
von der Fischerin
am Ufer bei lieblichem Wein
und die Kapelle spielt
als stehe die Zeit heute still
kein Gestern, kein Morgen
vergessen die Welt

Bald ist es wieder soweit. … und ich freue mich schon riesig auf meine jährliche hagnauer Woche.

Klimawandel – und nun?

Da muss erst dieses Mädchen aus Schweden kommen, um uns daran zu erinnern, wem die Welt der Zukunft gehört.
Es ist eine Bewegung von Kindern und Jugendlichen, wie es sie wahrscheinlich noch nie gab – und höchste Zeit, genau hin zu hören und unsre verdammte Plicht, alles dafür zu tun, um kommenden Generationen ein intaktes Natursystem zu hinterlassen.

Mit einem Donald Trump, der Katastrophen im eigenen Land ignoriert und trotz diesen den Klimawandel leugnet, müssen wir uns genauso auseinandersetzen, wie mit den Verantwortlichen aus Russland, die dem Klimawandel positiv gegenüber stehen, weil Sibirien auftauen würde, bzw. das Polarmeer Schiffspassagen freigibt.

Manche Staaten verdorren – andere versaufen und verschwinden wahrscheinlich von der Landkarte.

Was das zukünftige Klima mit uns macht wissen wir nicht so genau – die Prognosen sind nicht gerade gut.

Was kann ich selbst tun?

Diese Frage sollte sich jeder stellen – auch wenn man glaubt, im Alleingang könne man nichts ändern. Doch nur mit dem Finger auf andere zeigen, kann nicht viel bringen – man muss endlich begreifen, dass wir in einem einzigen Boot sitzen – eine einzige Gemeinschaft sind.

Bei mir hat sich seit neuestem zeitbedingt einiges verändert. Ich bin nicht mehr so angebunden – kann mehr Dingen nachgehen, nach denen mir gerade ist. Vielleicht habe ich auch mehr Zeit, dies oder jenes zu überdenken.

Und während ich gerade schreibe, sitze ich im Garten, im Schatten der Magnolie und versuche mit einem umschweifenden Blick eine Momentaufnahme festzuhalten.

Das Gemüsehochbeet ist dieses Jahr neu dazu gekommen.
Doch fange ich erstmal mit der Naturhecke an, die ich vor etwa 25 Jahren anlegte.

Damals achtete ich darauf, dass ich ausschließlich einheimische Gehölze verwendete, die ich sogar mit meinem Onkel Hans aus dem hiesigen Wald holte.
Mit den Nachbarn abgesprochen, planzte ich auf einer Umgrenzung von etwa 90 Metern Buchen, Schlehen, Hasel, Wildkirsche, Rotdorn – dazwischen noch etwas Flieder, Felsenbirne, Quitte …

Diese lasse ich alle wachsen, wie es ihnen beliebt.
Nur manchmal, wenn sie dann doch etwas übermächtig werden – das kann auch mal eine Höhe von sieben Meter sein – mache ich einen Grobschnitt, um das Ganze doch etwas im Zaum zu halten.

Zudem pflante ich im Garten, Äpfel, Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche, eine Weinrebe, die meine Terrasse wunderbar beschattet, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren usw.

Der Rasen gleicht einer Wiese, ist nur etwas kürzer gehalten – jedoch wachsen in den längeren Mähpausen diverse Wildblumen.
Auch legte ich dieses Jahr eine neue Wildblumenfläche an, die ich sich selbst überlassen möchte.

Schmetterlinge, Bienen, Wildbienen und Hummeln ließen nicht lange auf sich warten. Manchmal kann man sogar Libellen beobachten.

Den Insekten baute ich aus einer mit unzähligen Hohlräumen ausgestatteten alten Badtüre, einen Unterschlupf und verteilte einige Vogelnistkästen in den Bäumen.

Nun, mit dem neuen Beet, ist mein Wasserverbrauch enorm gestiegen, was mich dazu veranlasste einen zusätzlichen Regenwassertank anzulegen, so dass ich nun eine Speicherkapazität von über 2500 Litern habe. Dafür nutze ich gut die Hälfte unserer Dachflächen, um sie auch zu füllen.
Für das Gemüse und den Salat habe ich an der Terrasse ein Waschbecken mit Leitungswasser, das aber automatisch zu den Wurzeln der Rosen und der Weinrebe abfließt.

Im Großen und Ganzen ist das Grundstück eine wunderbare grüne Oase geworden.

Nicht nur, dass der Garten sehr viel Freude macht – auch ist es einfach herrlich, das Schlafzimmer auf der Nordseite des Hauses zu haben, vor offenem Fenster zu schlafen, dabei die grüne Kühle hereinzulassen – und nicht zuletzt, die vielen Vögel vergnügt singen zu hören.

Doch nun ist der Klimawandel eben da – damit auch Zeit, neue Perspektiven zu erörtern.
… dies, mit dem persönlichen Gefühl, nicht alles Bisherige in Frage stellen zu müssen.

Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass meine Lieblingsfarben immer mehr zum Mediterranen tendieren. … woraus sich oft auch unübliche Formen ergeben.
Einiges daraus wird in meinem Umfeld sichtbar.

Auch pflanzte ich inzwischen einen Feigenbaum, Bitterorange, Kiwi, Erdbeerbaum, Eukalyptus, Kaki, Mandelbaum, Phirsikose, Indianerbanane, Physalis. …

Natürlich habe ich dabei darauf geachtet, dass die Pflanzen weitestgehend auch winterverträglich sind – einige haben schon bis zu drei Winter überstanden.

Doch so, wäre vor zwanzig Jahren alles noch undenkbar gewesen.

Wie gesagt – dies soll nur eine persönliche Bestandsaufnahme sein.
Unseren Nachkommen wünsche ich, dass wir und sie mit unserer Umwelt umzugehen lernen.
Wir wissen wenig darüber, was auf uns zukommt.

Großvaters Reise zum Mond

Großvater füllte drei Säcke mit Mais aus dem alten, großen Getreideholzspeicher und lud sie auf seinen Leiterwagen.
Bevor er die Kuh aus dem Stall holte, um sie davor zu spannen, fragte er mich, ob ich mit ihm mitfahren möchte.
Ich wusste noch nicht, was er vorhatte, doch ich fuhr immer sehr gerne mit ihm mit – egal wohin.

Erst unterwegs sagte er mir, dass er die Maiskörner zur Mühle bringe, um sie mahlen zu lassen.

Dies freute mich sehr – konnte man doch immer zusehen, wie sich die großen alten Vorrichtungen, angetrieben durch einen sichtbaren, riesig, langen Flachriemen in Bewegung setzten.

Doch heute sollte es erstmal anders ablaufen.

Den Müller mussten wir suchen.
Nachdem wir die vielen Ecken des Mühlengebäudes erfolglos abgesucht hatten, gingen wir über den Hof zu seinem Haus.
Da saß er, zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter, in der Wohnküche vor dem Fernseher.

Da diese Dinger doch sehr teuer waren, konnten sich nur die Wenigsten im Ort einen leisten.
Aber der Müller war gut situiert, auch wenn er zum Mahlen nie Geld nahm, sondern seine Arbeit immer in Mehl oder Körnern verrechnete.
So konnte er immer viele Schweine halten, mästen und dann verkaufen.
Auf jeden Fall schien das sehr profitabel zu sein.

Als wir eintraten, lud er uns ein, doch erstmal mit ihm fern zu sehen.
Natürlich folgten wir sehr gerne seiner Einladung – hatte ich doch selbst noch nie einen Fernseher gesehen.

Doch was mich noch mehr beeindruckte, war das Programm, das gerade lief.
Es war eine Live-Übertragung vom amerikanischen Fernsehen.

Neil Armstrong betrat gerade den Mond.

Heute  überlege ich manchmal, ob es wohl Zufall war, dass wir gerade jetzt zur Mühle fuhren.

Doch je mehr ich darüber nachdenke, vermute ich, dass Großvater es nur als Zufall aussehen ließ.

Ob er selbst die Mondlandung gerne sehen wollte? … da bin ich mir ziemlich sicher.
Doch ich weiß, dass er alles getan hätte, um mir die Gelegenheit dafür bieten zu können.

bis meine zeit vergeht

bis meine zeit vergeht
will ich noch mal mein leben
aus den tiefen bergen
und wär’s ein einz’ger tag
an dem ich nur an mich gedacht

ich weiß
man trägt die angebor’ne last
mit würde – weit
bis in den abendhimmel
und manchmal, nacht nur
eingebrannte schmerzen stillt

doch irgendwann
wird friede sein
die toten harren in den gräbern

was recht und unrecht ist
wird frei sortiert
und lebt und stirbt
im fluss der ewigkeit