Das Kleine – Johannes Trojan

Das Beste ist das Kleine,
drum bin ich sehr dafür.
Das Zierliche und Feine
gefällt vor allem mir.

Die Großen sind die Schlimmen,
stets mehr seh‘ ich das ein.
Ich bin für kleine Stimmen,
obgleich sie manchmal schrein.

Es teilen kleine Hände
so vielen Reichtum aus,
und tragen sie am Ende
auch Blumen nur ins Haus.

Und wieder, wenn’s zu spenden,
wenn’s zu beschenken gilt,
ist’s gut bei kleinen Händen,
daß sie so leicht gefüllt.

Die Blume – Alexander Puschkin

Im Buch seh ich ein Blümchen liegen,
welk, duftlos, mutterseelenallein …
In wundersames Sinnen wiegen
mein Geist und mein Gemüt sich ein.

Wie lange blühtest du? Was schmückte
dein Reiz im Lenze hold und zart?
Kenn ich die Hand, die fromm dich pflückte?
Warum wardst hier du aufbewahrt?

Mahnst du an seliges Wiederfinden,
an namenloses Trennungsleid?
An Träumerein in Thalesgrünen
und stummer Waldeseinsamkeit?

Und lebt er noch, lebt sie zur Stunde?
Errangen sie des Friedens Port?
Ging ihrer Jugend Glück zu Grunde,
gleich dir, o Blume, früh verdorrt?

Übersetzt von
Friedrich Fiedler

Der rote Berg – Friedrich Krasser

Heute fand ich durch Zufall dieses wunderschöne Gedicht des siebenbürgischen  Dichters, Schriftstellers und Arztes Friedrich Krasser – einem Großvater mütterlicherseits von Hermann Oberth, dem eigentlichen Vater der Raumfahrt.

Der rote Berg

Noch steht der Berg auf seiner alten Stelle,
blickt frei herab ins heimatliche Tal;
noch springt aus seinem Haupt die klare Quelle,
vergoldet von der Sonne hellem Strahl;
tief unten küßt des Wiesenbaches Welle
ihr Blumenufer wohl zum letztenmal,
zieht träumend dann halb zögernd, halb gezogen
hinüber in des Mühlbachs blaue Wogen.

Noch stehn die Riesensäulen aufgeschichtet
als treue Wächter der geliebten Flur,
was auch die Zeit zermalmet und vernichtet,
hier suchst du fruchtlos ihre Würgerspur;
denn unvergänglich sind sie aufgerichtet,
ein Meisterstück der schaffenden Natur,
um hier in diesen Paradiesesauen
sich ihren schönsten Tempel zu erbauen.

Nie hat ein Künstler gleiches Bild vollendet,
nie Menschenhand solch Riesenwerk getürmt,
soweit der Himmel seine Strahlen sendet
und, von der Dichtkunst Genius beschirmt,
sich je und je ein glücklich Auge wendet
und nach der Schönheit Idealen stürmt;
nie ward ein Menschengeist, der ahnend dachte,
was hier Natur, die göttliche, vollbrachte.

Und denkst du noch der schönen Jugendstunden,
die wir, o Freund, zusammen dort verlebt,
wenn wir vom Pfade schlangengleich gewunden,
der zwischen wilden Rosen sich erhebt,
emporgeführt, die Höhle aufgefunden,
vom frischen Hauch der Bergluft durchwebt,
die Wände bunt mit Farben ausgemalet,
mit denen nie ein Fürstenzimmer prallet?

Und denkst du noch, wie dort in trauter Kühle
den Glücklichen so schön die Zeit entfloß,
wie dort des Herzens innigste Gefühle
der Freund so gern in Freundesbusen goß,
wenn draußen durch des Mittags heiße Schwüle
die Sonne glühend ihre Strahlen schoß,
bis sie am fernen Abendhimmel glänzte
und rosenrot sich Berg und Tal bekränzte?

Hoch über uns sahn wir mit leichten Schwingen
den Habicht schweben in der blauen Luft,
wir sahn die Füchslein keck und munter springen
von Klipp´ zu Klippe über Spalt und Kluft,
und um uns hörten wir den Ton erklingen,
mit dem der Schäfer seine Herde ruft,
sahn unten tief den Ackersmann, den müden,
heimkehren zu des Hauses sicherm Frieden.

Und willig hing der Blick an seinem Schritte,
bis er im nahen Dorfe uns entschwand,
flog dann von seiner rauchumwölkten Hütte
hinüber zu des Baches Blumenrand
und suchte freudig in des Tales Mitte
ein Städtchen, mir und dir so wohlbekannt,
das ländlich schön, durchwebt von grünen Bäumen,
noch immer lebt in meinen schönsten Träumen.

Ja, Freund ! Stets wird das Bild vergangner Zeiten,
ein liebend Denkmal, mir im Herzen stehn,
wie unsre Seelen sich dem Himmel weihten,
wenn zu den wunderbaren Bergeshöhn
im Widerhall der Abendglocke Läuten
erklang mit hundertstimmigem Getön.
Wenn feierliche Töne uns umwehten,
als wollte die Natur zum Höchsten beten.

Wohl sind die Tage anders jetzt gestaltet,
und jene sel’gen Träume sind verblüht,
doch ihres Nachklangs süßer Zauber waltet
lebendig fort im schwelgenden Gemüt;
und der gewohnte alte Drang entfaltet
erinnerungen in des Sängers Lied,
die ewig mit der Sehnsucht zartem Bande
den Jüngling ziehn zum teuren Vaterlande.

1861, aus: Das offene Visier

Friedrich Krasser
1818 – 1893, Mühlbach, Siebenbürgen

Tomatensuppe

Gestern habe ich wahrscheinlich die letzten roten Tomaten geerntet. Viele waren schon von den Sträuchern gefallen, da wir nicht alle essen konnten. Jedoch die, die noch hingen waren noch sehr gut. Damit habe ich Suppe gekocht. Das Rezept dafür habe ich mir selbst ausgedacht.

3 Kilo Tomaten
3 mittelgroße Zwiebeln
2 säuerliche Äpfel
1 rote Paprika
1 eher scharfe Chilischote
300 Gramm geräucherten Schinkenspeck
0,5 Liter heißes Wasser
70 Milliliter Olivenöl
2 Esslöffel Zucker
ca. 30 Pfefferkörner
0,2 Liter trockenen Rotwein (Lemberger)
1/2 Knoblauchzehe
etwas getrockneten Oregano
frisches Basilikum
frische Dillspitzen
1 Esslöffel Paprikapulver

Salz nach Geschmack

junge Pfefferminzblätter, 1 Becher Schmand

Zwiebeln schälen und schnibbeln. Äpfel und die rote Paprika würfeln. Tomaten würfeln. Schinkenspeck in kleine Streifen schneiden. Basilikum, Dillspitzen, einige Pfefferminzblätter klein hacken. Knoblauch und Chilischote klein hacken. Pfefferkörner mit stabiler Messerspitze zerdrücken.

Zwiebeln im 5-Liter-Topf anbraten, Chilischote und Knoblauch hinzugeben und kurz mitbraten. Äpfel und Paprika hinzugeben und anbraten. Zucker hinzugeben und unter Rühren (Holzschippe) karamellisieren. Das Ganze mit dem Rotwein ablöschen und kurz aber scharf aufkochen lassen.

Tomaten, Oregano, gehackte Pfefferminzblätter, Dillspitzen und Basilikum hinzugeben und alles bei mittlerer Hitze 30 Minuten weiterkochen.

Nach 30 Minuten das Gekochte durch ein grobes Blechsieb (8-mm-Löcher) passieren und in den Topf zurück geben. Tipp: – das im Sieb Verbleibende über dem Gesiebten mit dem heißen Wasser spülen.

In einer Bratpfanne Schinkenspeck und Pfeffer mit dem restlichen Olivenöl gut anbraten und in den Suppentopf geben. Mit Salz abschmecken. Das Paprikapulver reingeben.

Den Topf bei geringer bis mittlerer Hitze 3 Stunden köcheln lassen.

Die fertige Suppe im Suppenteller mit etwas Schmand und kleinen Minzblättchen anrichten und mit Baguettescheiben serviren.

 

Phönix

Hoch auf den Bergesgipfeln will ich thronen
Des Kaukasus mit seinen alten Palmen,
Wo nicht des niedern Herdes Dünste qualmen:
Hier waren meiner Väter Regionen.

Ihr mögt dort unten in der Tiefe wohnen,
Besorgt um eure Aecker, eure Halmen;
Die Einsamkeit — euch würde sie zermalmen!
Will mich mit himmlischen Gedanken lohnen.

Und fühl‘ ich einst die matten Schwingen beben,
Den Geist erlahmt, sich himmelwärts zu kehren,
So soll der Opferaltar sich erheben.

Dann möge mich die heil’ge Glut verzehren:
Aus meiner Asch‘ entsteigt ein neues Leben,
Es dient mein Schmerz, mich schöner zu verklären.

Eduard von Bauernfeld