Ich liege wo am Wegrand übermattet

Ich liege wo am Wegrand übermattet –
und über mir die finstere, kalte Nacht,
und zähl schon zu den Toten, längst bestattet.

Wo soll ich auch noch hin von Grauen überschattet?
– Schutzengel haben nur auf Kinder acht.
Doch glaubt ich, daß ihr Menschen lieb mich hattet.

Die ich vom Monde euch mit Liedern still bedacht,
und weite Himmel blauvertausendfacht.
Nur weil ihr Gott zur Ehre alles tatet.

Die heilige Liebe, die ihr blind zertratet,
ist ja Sein Ebenbild – Ihr habt es umgebracht.
Zu dem ihr herzhinpochend einst wallfahrtet.

Darum auch lebten du und ich in einem Schacht
und doch im Paradiese blumumblattet –
bis wir erlagen hold versunken schwarzer Niedertracht.

Else Lasker-Schüler

8 Kommentare zu „Ich liege wo am Wegrand übermattet“

  1. Lieber Michael

    Am Wegrand
    des Lebens
    im Nebel
    dem Atem
    vergangener Zeit

    die Götter
    in Worte verordnet
    im Sarg
    der Alben
    für ewig in
    Büchern bestattet

    frohlocken kranke
    Seelen durch
    farbiges
    in Blei
    gefasstes
    Fensterglas
    gesiebtem
    Licht

    der Chor
    im Ritual
    die Versammelten
    vor dem geglaubten
    heiligen Gral

    eigen nur wenigen
    das zerfurchte
    von bös und gut
    die Augen
    das durchlebte
    ihr Gesicht

    zählt am Ende
    das wenige
    was getan
    was zum
    besseren
    in Demut
    aus dem
    Herzen gedacht

    zu: Else Lasker-Schüler

    Herzliche Grüße
    Hans

    Gefällt 1 Person

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