Salatblatt und Demokratie

Manchmal werden die Gedanken durch banalste Dinge dermaßen angeregt, dass man eine Weile damit beschäftigt ist, sich und die Welt genauer zu betrachten.

Findet man im Einkaufswagen, in den man gerade seinen Wagenchip eingesteckt hat etwa ein Salatblatt, blickt man automatisch über alle weiteren Wagen.

Welke Salatblätter und sonstiger Müll liegt auch in mindestens zehn anderen Wägen.

Was man nicht sieht, ist, ob der Vorherschieber – oder alle Davorschieber – den Wagen, oder zumindest die Hände desinfiziert haben.

Dann fährt man in den Laden und erlebt, wie eine feine Dame eine Schale Erdbeeren über alle anderen kippt, um dann alle anzufingern und daraus die schönsten wieder in die Schale zu legen, um diese dann zu kaufen.

Ein paar Meter weiter drückt jemand den Daumennagel in die Pfirsiche einer ganzen Kiste, um die Konsistenz zu prüfen.

Am Backwarenstand legt einer die Wecken wieder in die Box, der er eben nicht wenige entnommen hat. Auch das Stück vom Boden, das ihm gerade selbst runterfiel.

Ein Anderer holt eine Packung Geflügel aus dem Kühlfach, lässt dieses offen und geht weiter.

Bei der Aktionsware packt jemand ein paar Schuhe aus dem Karton, probiert sie an und schmeißt sie unverpackt wieder in den Warentisch.

Warum schreibe ich dies?

Es liegt in meiner Erziehung, meine Aktivitäten so auszuüben, dass ich darin meine Mitmenschen respektiere. Ich versuche alles so zu hinterlassen, wie ich es gerne selber vorfinden möchte. Dafür brauche ich keine angeordneten Regeln und auch keine Verbote.

Das muss man nicht in der Schule lernen – und auch nicht vom Staat, der wir alle zusammen sind.

Manche Menschen sollten ihre Wahrnehmung dringend auf sich selbst konzentrieren, bevor sie über das schimpfen, was ihnen folgerichtig verordnet wird.

Am Sonntag sind Bundestagswahlen. Ich habe Zweifel daran, ob alle verstehen, was Demokratie und Freiheit bedeuten.

Kleinschelken, September 2021

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Ein aktuelles Foto meines Geburtsortes Kleinschelken in Siebenbürgen. Ich selbst hab Kleinschelken seit 1989 nicht mehr gesehen. An der Stelle des weißen Turms (katholische Kirche) – links im Bild – stand damals noch mein Geburtshaus. Das größere Haus war meine Schule und die zwei nebeneinander liegenden Türme gehören zur evangelischen Kirche, in der ich getauft, konfirmiert und getraut wurde.