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bleib immer du selbst

Eduard Mörike – Nur zu!

Schön prangt im Silbertau die junge Rose,
den ihr der Morgen in den Busen rollte,
sie blüht, als ob sie nie verblühen wollte,
sie ahnet nichts vom letzten Blumenlose.

Der Adler strebt hinan ins Grenzenlose,
sein Auge trinkt sich voll von sprühndem Golde;
er ist der Tor nicht, dass er fragen sollte,
ob er das Haupt nicht an die Wölbung stosse.

Mag denn der Jugend Blume uns verbleichen,
noch glänzet sie und reizt unwiderstehlich;
wer will zu früh so süssem Trug entsagen?

Und Liebe, darf sie nicht dem Adler gleichen?
Doch fürchtet sie; auch fürchten ist ihr selig,
denn all ihr Glück, was ist’s? – ein endlos Wagen!

Mach’s gut Ingo!

Manchmal begegnet man Menschen, die man von Anfang an mag – oder auch nicht.
Ihre Art, in ihrem Umfeld in Erscheinung zu treten, ist manchmal nicht Jedermanns Sache – doch wenn man es schafft, hinter diese Menschen zu blicken, erkennt man oft, wie anfängliche Eindrücke täuschen können.
Oft steckt viel mehr dahinter, als ein Pegel von Lautstärke, oder der scheinbare Eindruck, er besitze die Möglichkeit, die ganze Welt kaufen zu können.
Ingo Roth war einer dieser Menschen.
… und ich lernte ihn in einem Umfeld kennen, in dem jeder versuchte seine Probleme in den Griff zu kriegen – was es wahrscheinlich nochmal etwas schwieriger machte, ein Anderssein zu verstehen, oder gar zu tolerieren.
Oft denke ich daran, wie Ingo die Gitarre nahm und Songs von Bob Dylan spielte und sang.
… und nicht nur das – er machte diese Songs zu seinen eigenen. Er lebte sie.
Ich habe noch nie sonst einen Menschen erlebt, der seine Gefühle so zum Ausdruck bringen konnte.
Selbst der ärztliche Befund seines Hautkrebses war darin auf die schmerzlichste Art zu hören.
Heute nun, lese ich die Tageszeitung – und allein für Ingo ist eine halbe Seite mit Todeesanzeigen drin.
Ich trauere um ihn.
Ich kannte ihn nur für kurze Zeit – doch ich bin sehr froh, dass ich diesem Menschen begegnen durfte.
Danke Ingo!
Ich wünsche Dir, es geht Dir gut!
… und ein letztes Mal ein Song von Bob Dylan:

Restless Farewell

Experiment Physalis

War nur so ein Gefühl. Nachden ich es letztes Jahr schier nicht mehr glauben konnte, dass aus den auf dem Fensterbrett selbst gezogenen  Physalis noch etwas werden würde – ich diese nach zwölf Wochen intensiver Pflege, gerade mal mit je zwei Blättchen pro Pflanze ins Beet pfanzte, begann ich noch Saisonende einige Experimente. Zumal sich die Pflänzchen im Beet prächtig entwickelt hatten, jedoch durch das späte Berappeln nicht allzuviele Früchte trugen.

Leider war ich im Herbst mit meinen Experimenten etwas spät dran – die ersten Nachtfröste hatten den Pflanzen schon zugesetzt. Ich schnitt die schon kaputten und etwas pappigen Dinger bis auf jeweils einen kurzen Stumpen ab, und grub die Wurzeln aus. Diese schienen aber noch lebendig zu sein.

Ich buddelte drei, je einen halben Meter tiefe Löcher, und vergrub darin drei von den Wurzeln. Da ich denke, dass der Winter bisher nur mäßig frostig war, leben sie wahrscheinlich noch. Wenn es etwas wärmer wird, weiß ich sicher mehr.

Zwei von den Wurzeln setzte ich mit ihrer gewohnten Erde in große Töpfe und stellte sie in mein Atelier. Vor Kurzem wurde es in einem der Töpfe grün und es entwickelt sich gerade eine kräftige Pflanze. Vielleicht kommt ja im anderen Topf auch noch etwas.

Und im Beet? Ich lasse mich überraschen.