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SWR1-Hitparade

Die beste Hitparade ist diese Woche wieder bis Samstag nonstop auf Sendung:

https://www.swr.de/swr1/bw/hitparade/Hitfiebern-mit-dem-SWR1-Livestream-Ihr-direkter-Blick-in-die-SWR1-Hitparade,swr1-hitparade-livestream-100.html

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Jesuitendebatte

Der Fuchs stand vor dem Hühnerstalle
und merkte in der Winternacht,
die Einschlupflöcher waren alle
just seinetwegen zugemacht.

Da fing er jämmerlich zu klagen
und bitterlich zu weinen an:
Warum wollt ihr nur mich verjagen,
der euch doch nie ein Leids getan?

Ihr guten Hühner, hört die Bitte!
Ihr seid so viele, ich allein, —
der kleinste Platz in eurer Mitte
genügt, und ich will glücklich sein!

Das Federvieh hat lang beraten
und manches wohlerfahrne Huhn
vermeinte, was sie früher taten,
das würden Füchse immer tun.

Doch gab es viele ganz Gerechte,
die waren aus Prinzip dafür,
daß keinem aus dem Tiergeschlechte
verschlossen bleibe ihre Tür.

Kaum war die weise Tat geschehen,
war von dem ganzen Hühnerhof
nichts mehr als das Prinzip zu sehen
und Krallen und ein Federschwof.

Ludwig Thoma, 1913

Tatort

Also ich muss zugeben – ich gehöre nicht zu den regelmäßigen Tatort-Guckern. Auch kann ich nicht verstehen, warum von einer derartigen Unterhaltung immer so positiv gesprochen wird.
Heute …
Oh nein! Reden wir lieber nicht darüber.
Aber die Frage muss doch gestellt werden:
Was bitte in aller Herrgottsnamen war DAS denn?
Dafür sollte man wirklich das Fernsehen abschaffen.
… pure Sonntagabendzeitverschwendung.

Die Ruhestörerin

Mein süßes Kind,
wie ich dich liebe, frägst du oft,
doch wie du meine Ruhe störst,
das höre jetzt: mein süßes Kind.
Wenn ich mein Aug zur heil’gen Jungfrau wende,
in frommer Andacht zu ihr wenden will,
so trägt die Heil’ge, die sich mir enthüllt,
dein blaues Aug, dein hold Gesicht,
dein glänzend Haar und deines Mundes Liebe,
mein süßes Kind.
Will ich Gebete sprechen, eh der Schlaf mich faßt,
so ist’s dein letzter Gruß,
den meine Lippen lallen;
und Andacht und Gebet ist hin;
denn mächt’ger als die Andacht ist die Liebe,
und mächt’ger als die Heilige bist du.
Dich denk ich nur, und dich nur bet ich an.
So steht’s mit mir, und das hast du getan,
du böses Kind!

Theodor Storm

Mihai Eminescu

Märchenkönigin

(übersetzt von Carmen Sylva – Prinzessin Elisabeth zu Wied, Königin von Rumänien)

Weiße Nebel sind vom Monde
Silberglänzend ausgeflossen,
Aus dem Wasser aufgestiegen,
Auf die Felder ausgegossen.

Spinngewebe zu zerreißen,
Alle Blumen sich vereinen;
An der Nacht Gewänder hängen
Beeren sie von Edelsteinen.

An dem See, um den die Wolken
Einen feinen Schatten weben,
Der durch’s Wellenspiel zerrissen,
Wie die hellen Schollen beben,

Leis das Schilf zur Seite theilend,
Steht ein Mägdlein vorgebogen,
Schüttelt lauter rothe Rosen
Sanft hin auf die Zauberwogen.

Daß ein Bild erscheine, blickt sie
Auf der Wasserkreise Gleiten,
Denn es ward der See besprochen
Von der Venus Wort vor Zeiten.

Daß ein Bild zur Fläche steige
Läßt sie junge Rosen fliehen,
Denn die Göttin hat den Rosen
Einstens Zauberkraft verliehen.

Schaut und schaut … ihr Haar ist golden,
Ihr Gesicht im Monde scheinet,
In den blauen Augen haben
Alle Märchen sich vereinet. 

.

Dir!

(übersetzt von Miete Kremnitz)

Du gleichst des Kirschbaums weißer Blüthe,
So rein erscheinst du mir, so zart,
Betratest meines Lebens Pfade
Nach Engel-, nicht nach Menschenart.

Die Seide rauscht um deine Füße,
Berührt den weichen Teppich kaum;
Vom Scheitel bis zum Sohlenrande
Schwebst du dahin, leicht wie ein Traum.

Aus deines langen Kleides Falten
Erstehst du einer Statue gleich,
Und meiner Seele Glück muß hangen
An deinem Auge thränenreich.

Ein Traum von Glück, ein Traum von Liebe
Du, süße Märchenfee, mir bist. –
O lächle nur: dein einzig Lächeln
Zeigt mir, wie süß dein Wesen ist,

Wie deines Zaubers holde Kräfte
Die bangen Augen mir umdüstern,
Mit deines kühlen Arms Umfangen,
Mit deines Mundes heißem Flüstern –

Doch plötzlich hüllen die Gedanken
Wie Schleier deiner Augen Gluth;
Der Schatten ist es des Entsagens,
In dem das heiße Wünschen ruht.

Du gehst – ich hab‘ dich wohl verstanden,
Mich dir zu folgen nie getraut,
Verloren, ewig mir verloren,
Du meiner Seele holde Braut!

Daß ich dich sah, ist mein Verschulden,
Ich büß‘ es, daß ich dich gekannt,
Und daß du mir aus lichten Höhen,
Vergebens hingestreckt die Hand.

Du gleichst dem hehren Heil’genbilde
Der ewig jungfräulichen Maid;
Maria’s Reif schmückt deine Stirne –
Entschwandst du mir für alle Zeit?

Traum

In meiner Seele liegt ein toter Traum,
ein Traum von dir – und jüngst, in tiefer Nacht,
zog er den Schleier von dem Angesicht
und sah mich an und war vom Tod erwacht.

Da war’s, als ob der Frühling auferstand’.
Die dürren Zweige wurden jung und grün,
die roten Rosen, die gestorben sind,
erschlossen sich zum Duften und zum Blühn.

Und meine Hand ward in der deinen warm.
dein liebes Lächeln kam mit seinem Glück,
und meine Seele wurde frei und rein
und unbekümmert unter deinem Blick.

Marie Herbert (Therese Keiter)