Im Vorübergehen

Manche Erlebnisse wiegen so schwer, dass sie die schönen Dinge, die es zweifelsohne auch gab, nach Jahrzehnten aus der Erinnerung gelöscht haben.
Was bleibt, ist ein festgeschnallter Rucksack voller Demütigungen, Schlägen, Lügen, Enttäuschungen – und schließlich eine Aufbürdung von sogenannten Pflichten, deren Erfüllung nie eine Anerkennung finden und niemals mit einer Geste des Dankes beachtet werden, oder zumindest den Anschein von Zufriedenheit erkennen lassen.
Und man merkt, wie einem selbst die Zeit davonläuft – unhaltbar und ohne Wiederkehr.
Und man kann nichts dagegen tun.
Und dann immer noch – und immer wieder diese Dejavues in dem Gefühl ausgenutzt, angelogen und verarscht zu werden.
Man wird krank – dies ohne, dass es die Verursacher aus ihrer Egowelt heraus überhaupt merken.
Ab und zu blickt man jedoch fragend und müde in den Spiegel.
… und man sieht auf, steift das Rückgrat und weiß, dass man sich selbst begegnen kann.

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Ein Langzeitprojekt ist fertig

Heute möchte ich euch ein Langzeitwerk vorstellen, das mir ganz besonders am Herzen liegt.
Fast bin ich ein wenig stolz darauf – ist es doch etwas, an dem ich das vor sehr langer Zeit Erlernte mit anwenden konnte.
Selbst wenn es nur ein Bollerwagen ist – es steckt mehr drin, als der erste Blick vermuten lässt.
Die Idee war erstmal, Vollgummiräder zu verwenden, auch wenn mir damit von vorne rein klar war, dass eine Federung, die ja Luftreifen hätten, nicht mehr gegeben war.
Weil aber beim Durch-die-Gegend-ziehen, mein Enkelchen nicht so arg durchgeschüttelt werden soll, habe ich u.A. Federbeine für Einzelradaufhängungen gebaut, die ich selbst konstruiert habe. Auch ist das gesamte Metall am Fahrzeug Edelstahl und Aluminium.

Hier einige Bilder:

Federbein mit Lenkgestänge. In der senkrechten Hülse neben dem Rad ist eine Spiral-Druckfeder drin.

Komplette Lenkanlage mit Federbeinen und Radaufhängung vorne

Federbein als Radaufhängung hinten. Hier musste ich dafür sorgen, dass das Rad  stabil bleibt.

Damit wir den Wagen auch ins Auto packen können, sollte die Deichsel abnehmbar sein. Dafür hab ich mir eine Einklickverbindung überlegt, welche das Abnehmen werkzeuglos und einfach macht.

So., 23. Juni, 2019

Wenn der Abend kommt, an heißen Sommertagen, sitze ich im Garten und lausche in die werdende Nacht hinein.
Manchmal mache ich Feuer in der Schale und nur das Knistern stimmt in den letzten Gesang der Vögel mit ein.
Es ist eine Oase der Ruhe bevor die Welt im Schlaf versinkt – nur Fledermäuse umfliegen ein paar Solarleuchten, auf der Suche nach lautlosen Motten – angezogen vom spärlichen Licht.

In der Stille ist es nicht möglich, Gedanken festzuhalten.
Ich denke an die gerade reifenden Kirschen am kleineren Baum, die Tomatensträucher, die gerade die ersten Früchte ansetzen, die Feigen, die plötzlich einfach da waren, ohne vorher geblüht zu haben, das Glück, dass die Rebe endlich mal Kiwis trägt, die Physalis, die nach der schleppenden Anzucht nun doch gewaltig die Kurve gekriegt haben, an den neuen Bergzitronenstrauch, die Indianerbanane, die ich dieses Jahr neu gepflanzt habe und schon sehr ungeduldig und gespannt bin, wie die mir noch unbekannten Früchte wohl aussehen werden. Doch diese sollen scheinbar erst im dritten oder vierten Jahr das erste Mal wachsen.

Es ist eine Ewigkeit bis dahin.

Aber alles scheint seine Zeit zu brauchen.
Vor achtundzwanzig Jahren malte ich mir den Garten aus, wie er wohl irgendwann mal sein würde. Und nun stelle ich fest, dass ich diesbezüglich nicht nur geträumt habe.
Es ist ein Garten, der – etwas chaotisch – das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet, in dem mir Gänseblümchen zwischen den barfüssigen Zehen wachsen und mich dankend streicheln.

… und ich denke an Vater, der seinen Garten zur Straße hin hatte und die Hecke immer so niedrig hielt, dass die vorbeigehenden Menschen immer einen Blick auf seine prächtigen, Tomaten, Gurken und Paprika haben konnten.
Er zupfte das Unkraut aus dem Rasen, düngte und wässerte ihn und mähte ihn immer so kurz, dass dazwischen nie ein Blümchen die Chance zu blühen hatte.

Und abends lag er im Wohnzimmer auf der Couch, weil er Zeit seines Lebens nie ein gemütliches Wohlfühlplätzchen im Garten schuf.
Er hat es nie verstanden, einen Garten als etwas Natürliches anzusehen – einen Ort der Ruhe, mit all seinen Annehmlichkeiten – einen Besinnungstempel für die Seele.

So wie heute überlege ich manchmal, ob er ab und zu von oben herab schaut und doch nur einmal sagt: – „Du hast es Dir gut und schön gemacht.“.

Wir wollen, wenn es wieder Mondnacht wird

Foto: Wenn der Abend kommt, (c) Michael Hermann

Wir wollen, wenn es wieder Mondnacht wird…

Wir wollen, wenn es wieder Mondnacht wird,
die Traurigkeit zu großer Stadt vergessen
und hingehn und uns an das Gitter pressen,
das von dem versagten Garten trennt.

Wer kennt ihn jetzt, der ihn am Tage traf:
mit Kindern, lichten Kleidern, Sommerhüten, –
wer kennt ihn so: allein mit seinen Blüten,
die Teiche offen, liegend ohne Schlaf.

Figuren, welche stumm im Dunkel stehn,
scheinen sich leise aufzurichten,
und steinerner und stiller sind die lichten
Gestalten an dem Eingang der Alleen.

Die Wege liegen gleich entwirrten Strähnen
nebeneinander, ruhig, eines Zieles.
Der Mond ist zu den Wiesen unterwegs;
den Blumen fließt der Duft herab wie Tränen.
Über den heimgefallenen Fontänen
stehn noch die kühlen Spuren ihres Spieles
in nächtiger Luft.

Rainer Maria Rilke