Nikolaus Lenau

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Der kriegslustige Waffenschmied

 

Spritze Funken, Säbelklinge,
Werde meinen Hammerschlägen
Hart, geschmeidig, scharf, du Degen,
Daß dich froh der Reiter schwinge!

Schwert, wie dir mein Hammerschwingen
Helle Funken ausgetrieben,
Sollen bald von deinen Hieben
Seelen aus den Leibern springen.

Friede ist ein falscher Engel,
Unkraut wuchert auf zu Wäldern,
Steuern wachsen auf den Feldern
Mehr als Korn und Weizenstengel.

Friede hat das Menschenleben
Still verwahrlost, sanft verwüstet;
Wie er seiner Tat sich brüstet!
Alles hängt voll Spinneweben.

Ha! nun fährt der Krieg dazwischen;
Klafft und gähnt erst manche Wunde,
Gähnt man seltner mit dem Munde,
Kampf und Tod die Welt erfrischen.

Feige Lüge aus dem Herzen
Treibt der Krieg, der offne, scharfe,
Weil der Tod zerreißt die Larve,
Weil die Wunden ehrlich schmerzen.

Wieder soll in Kampfgewittern
Frische Luft der Wahrheit wehen,
Tote werden auferstehen,
Menschentreter werden zittern.

Nikolaus Lenau

Stephan Ludwig Roth – Leben und Abschied

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Stephan Ludwig Roth (* 24. November 1796 in Mediasch; † 11. Mai 1849 hingerichtet in Klausenburg)

Stephan Ludwig Roth wurde als Sohn des Lehrers und evangelischen Pfarrers Stephan Gottlieb Roth in Mediasch geboren. Er besuchte das Gymnasium in Mediasch und Hermannstadt, wo er 1816 die Reifeprüfung ablegte. Ein Stipendium ermöglichte es ihm ab 1817 Theologie an der Universität Tübingen zu studieren. Im Frühjahr 1818 lernte er auf einer Reise in Karlsruhe Wilhelm Stern kennen, der ihn mit dem Gedankengut von Pestalozzi bekannt machte. Er unterbrach daraufhin 1818 sein Studium um nach Yverdon zu Pestalozzi zu ziehen. Ab 1. Januar 1819 übernahm er dort den Lateinunterricht nach der Pestalozzischen Methode. Noch in Yverdon begann er mit der Arbeit an einem Werk über den Unterricht in den alten Sprachen.

Anfang 1820 forderte sein Vater ihn zu Rückkehr nach Siebenbürgen auf. Roth trat im April 1820 die Rückreise an, machte aber Station in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen, wo er innerhalb von vier Tagen eine Abhandlung über „Das Wesen des Staates als eine Erziehungsanstalt für die Bestimmung des Menschen“ schrieb, aufgrund derer er zum Doktor der Philosophie und Magister der freien Künste promovierte. Auf einer Zwischenstation in Wien musste er die Erfahrung machen, dass seinen neuen Erziehungsideen wenig Gegenliebe entgegengebracht wurde. Es wurde ihm sogar verboten, seinen im Ausland erworbenen Doktortitel zu tragen.

Im September 1820 war er wieder in Siebenbürgen, wo er für seine pädagogischen Reformpläne warb, anfangs ohne großen Erfolg zu haben. 1821 wurde er Gymnasialprofessor in Mediasch, 1828 zuerst Konrektor und 1831 Rektor des Gymnasiums. Er versuchte einige der Pestalozzi-Methoden im Mediascher Schulwesen einzuführen, beispielsweise das Turnen und Singen als Unterrichtsfächer zu etablieren. Mit seinen modernen Ideen kam Roth mit dem konservativen Lehrerkollegium in Konflikt. Nachdem er zwei Berufungen zum Pfarrer abgelehnt hatte, nahm er 1834 die Berufung zum ersten Prediger an der evangelischen Kirche in Mediasch an. 1837 wurde er zum Pfarrer von Nimesch gewählt, wo auch schon sein Vater gewirkt hatte, und 1847 zum Pfarrer in der Nachbargemeinde Meschen.

Derweilen verstärkten sich in Ungarn und auch in Siebenbürgen, das damals noch habsburgisches Kronland war, die Magyarisierungstendenzen der Ungarn gegen die anderssprachigen Landesbewohner. Als Anfang 1842 auf dem Landtag in Klausenburg über die Sprachenfrage debattiert wurde, begann Roth die Arbeit an einer Schrift, die er im Mai 1842 unter dem Titel „Der Sprachkampf in Siebenbürgen. Eine Beleuchtung des Woher und Wohin?“ veröffentlichte. Diese brachte ihm von ungarischer Seite erhebliche Angriffe ein. Sein Widerstand gegen die Magyarisierung und von den Ungarn als provokativ empfundenene Aussagen, wie

„Ich sehe nicht die Notwendigkeit, diesem Land eine neue ofizielle [sic!] Landessprache zu verordnen. Wir besitzen bereits eine Landessprache. Diese ist weder die deutsche noch die ungarische Sprache, sondern die rumänische Sprache, die Sprache der Bevölkerungsmehrheit.“

zog ihm sogar den Hass der Ungarn zu.

Um das Deutschtum in Siebenbürgen zu stärken, warb Roth in Württemberg um Einwanderer nach Siebenbürgen. Daraufhin kamen im März 1846 307 Familien mit 1.460 Personen. Dadurch wurde er in den Augen vieler Ungarn erst recht zum meistgehassten Siebenbürger Sachsen.

Während der Revolutionswirren von 1848 blieb Roth kaisertreu und wurde vom Feldmarschallleutnant Anton Puchner zum kaiserlich bevollmächtigen Kommissär für die sogenannten „13 sächsischen Dörfer“ im Bezirk Kokelburg (rum.: Cetatea de Baltă; ung.: Küküllővár) ernannt.

Nachdem die ungarische Armee Anfang 1849 einen Sieg gegen die Kaiserlichen errang und in Mediasch einzog, wurde er am 21. April 1849 auf Veranlassung des ungarischen Regierungskommissars in Meschen verhaftet und nach Klausenburg überführt. Hier tagte am 10. und 11. Mai das Standgericht und verurteilte ihn nach einer Prozessfarce zum Tode. Bereits am Nachmittag des 11. Mai 1849 wurde er erschossen.
Nach seiner Verurteilung zum Tod durch das militärische Standgericht in Klausenburg, blieben Stephan Ludwig Roth nur noch drei Stunden bis zu seiner Hinrichtung. In dieser Zeit schrieb er einen Abschiedsbrief an seine Kinder in Meschen, in dem er auch auf einige Aspekte seines sozialen und politischen Handelns eingeht.

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Fragment 1

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Fragment 2

Liebe Kinder.

Ich bin eben zum Tode verurtheilt worden und in 3 Stunden soll dieses Urtheil an mir vollzogen werden. Wenn mich etwas schmerzt, so ist es der Gedanke an Euch, die ihr ohne Mutter seid und nun auch den Vater verliert. Ich aber kann dieser Macht, die mich zur Schlachtbank führet nicht widerstehen, sondern ergebe mich in mein Schicksal wie in einen Rathschluß Gottes, bei dem auch meine Haare gezählt sind.

An Sophie schließt Euch alle fest an und betrachtet sie als Eure Mutter. Seid gehorsam gegen Gott und ehrerbietig gegen jedermann damit es Euch wohlergehe oder ihr es wenigstens verdient. Mit dem Vermögen, das ich in großer Unordnung hinterlasse haltet Rath, damt ihr Mittel in den Händen habt zu Eurer Bildung. Es gibt noch viele gute Menschen die auch um Eures Vaters Willen Euch raten und helfen werden.

Meinen Schwägern in Kleinschelken, Mediasch und Hodvilag bringe ich in meinen letzten Augenblicken meinen Dank für alles dar was sie mir getan haben, auch für das, was sie meinen Kindern noch tun werden. Die Frau Lehrerin wird mir einen Gefallen tun, wenn sie solange noch dableibt, bis meine Habseligkeiten werden geordnet und jedes Kind unter einem Flügel sein wird. Der Heiland wird ihr für ihre treuen Dienste gerecht werden. Das ungarische Findelkind, welches ich zur Aufziehung aufgenommen, bitte ich ferner zu unterhalten. Nur wenn es die Eltern verlangen sollten, hätten sie ein näheres Recht dazu, ich habe ohnehin keins mehr auf dieser Welt.

Meiner Meschener Kinder, meiner Nimescher gedenke ich in Liebe. Lasse Gott diese Gemeinden reich werden, reich an Früchten der Gottseligkeit, wie Fruchtbäume deren belastete Äste bis zum Boden hängen. Ich habe wenig an ihrer Veredlung gearbeitet und nur wenig Samen ausgestreut. Möge der Segen der Ernte die Halme um so kornreicher machen. Liebe habe ich gepredigt und redliches Wesen. Mein Tod möge meinen ausgestreuten Worten einen um so größeren Nachklang verschaffen. Lebet wohl, liebe Leute.

Mit meiner Nation habe ich es wohlgemeint, ohnen es mit den anderen Nationen übel gemeint zu haben. Meine Amtierung in Elisabethstadt und Kokelburg habe ich aus Gehorsam in einen höheren Willen geleistet. Dieses ist das politische Verbrechen, das mir den Tod zuzieht. Eines Verbrechens bin ich mir aber unbewußt. Fehlgriffe könnten es sein, die ich getan hätte, vorsätzlich gewiß kein Unrecht.

[…]

Die Zeit eilt – ob der kranke Leib meinen willigen Geist ehrlich tragen werde, weiß ich nicht. Alle, die ich beleidigt habe, bitte ich um herzliche Verzeihung. Ich meinerseits gehe aus der Welt ohne Haß und bitte Gott meinen Feinden auch zu verzeihen. Mein gutes Bewußtsein wird mich auf meinem letzten Gang trösten. Gott sei mir gnädig, führe mich ins Licht, wenn ich im Dunkeln war und lasse diese Veranstaltungen die mich umgeben meine Sühne sein für das, was ich in dieser Sterblichkeit gefehlt habe.

So sei es denn geschlossen in Gottes Namen.

Klausenburg am 11. Mai 1849

Stephan Ludwig Roth.
Ev. Pfarrer in Meschen.

Nachträglich muß ich noch dazusetzen, daß ich weder im Leben, noch im Tode ein Feind der ungarischen Nation gewesen bin. Mögen sie dies mir als dem Sterbenden auf mein Wort glauben, in dem Augenblick, wo sonst alle Heuchelei abfällt.

(Quellen: – Internet)

Gottfried August Bürger

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Die Esel und die Nachtigallen

Es gibt der Esel, welche wollen,
Daß Nachtigallen hin und her
Des Müllers Säcke tragen sollen.
Ob recht, fällt mir zu sagen schwer.
Das weiß ich: Nachtigallen wollen
Nicht, daß die Esel singen sollen.

Der Bauer

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau’ und Rachen haun?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst,
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? –

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! –

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

displaced – Regina Schönleitner

HPIM0990.JPGStahlskulptur „Mauern“ – Michael Hermann

displaced

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fühl mich oft
nicht angebracht
ausgelacht
mit unmut bedacht
in dieser welt

fühl mich
wie ausgesetzt
trotz vernetzung
entgegengesetzt
weiß nicht was hält

beweg wie im trance mich
vergeb die chance ich
zieh mich zurück
stück für stück

hab gedanken eingekühlt
tief vergraben, verwühlt
so bleibt die einsamkeit
mein gefühl

In dieser Welt,
in der der Schein
mehr zählt
als das Sein,
in dieser Welt.

(c) Regina Schönleitner

Dankeschön für diesen tollen Text, liebe Regina! Mehr von Reginas Gedichten? Ihr Blog sagt mehr.

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Vom Wandel der Zeit

Ich wurde in Kleinschelken geboren.
Kleinschelken liegt mitten in Siebenbürgen in einem kleinen Seitental der Großen Kokel.
Man könnte sagen, in Kleinschelken hörte die Welt auf – es gab keine Durchfahrtstrasse. Ein Bach floss durch das drei Kilometer lange Dorf. Mittendrin mündete ein weiterer Bach in den Bach und damit ein weiteres Seitental in das Seitental.

Das Seitental bewohnten Sachsen und das Seitental vom Seitental Rumänen.
Wer die Täler zuerst besiedelte, steht nicht fest. In der Kirchturmspitze der rumänischen Kirche soll eine Urkunde gefunden worden sein, aus der hervorgeht, dass die Kirche von den Sachsen gebaut wurde.
Meine persönliche Empfindung war stets die, dass es mit den Rumänen immer ein Nebeneinander und nie ein Miteinander gab.
Die Sachsen waren – ich weiß nicht wie lange schon – evangelisch. Nach dem Krieg wurden die Rumänen von den Kommunisten gezwungen, vom katholischen zum orthodoxen Glauben zu konvertieren.
Unsere Großeltern konnten kaum rumänisch. Andererseits gab es viele alte Rumänen, die perfekt sächsisch reden konnten. Das kam wahrscheinlich daher, dass der Grund und Boden der Kleinschelken umgab, bis zum Krieg fast aus- schließlich den Sachsen gehörte. Die Sachsen beschäftigten Rumänen und waren ihre Dienstherren.

Aufgrund der besonderen Lage und Anordnung der Besiedlung des Dorfes und strikter Trennung der rumänischen von der sächsischen Bevölkerung, spielten wir sächsischen Kinder nie mit rumänischen.
Es gab keine Mischehen. … wenn ausnahmsweise doch, blieb den Paaren nur das Ausweichen in die anonymen Städte.

Die Siebenbürger Sachsen hatten eine über 800 Jahre alte Kultur. Auch waren sie wahrscheinlich die „Erfinder“ der Wehrkirchen. Diese imposanten Kirchen waren durch Ringmauern geschützt. Bei Angriffen auf das Dorf zog sich die Bevölkerung hierher zurück – man konnte sich darin verteidigen.
Innerhalb der Gemäuer gab es Speckkammern und sonstige Lagerräume – einer Belagerung konnte man sehr lange standhalten.
Die kleinschelker Kirchenburg, schon vor über 700 Jahren unter ähnlichem Namen urkundlich erwähnt, war schon immer sächsisch.

Die sächsische Kirche unterhielt eine Schule und es bestand von jeher Schulpflicht. Später wurde auch eine rumänische Schule gebaut.
Seit dem Krieg ist die sächsische Schule verstaatlicht, die rumänischen Kinder kamen in die Schule der Sachsen – allerdings in ein getrenntes Gebäude, in dem ausschließlich in rumänischer Sprache unterrichtet wurde. Wir Sachsen lernten lediglich ein paar Stunden pro Woche Rumänisch – konnten es aber als Kinder nie richtig, da wir es praktisch nie anwendeten.

Was sich nach dem Krieg sehr stark verändert hatte, war das Wirtschaftsleben. Grund und Boden wurden verstaatlicht, man gründete Landwirtschaftliche
Produktionsgenossenschaften.
Sachsen und Rumänen wurden zu Beschäftigten des Staates.

Ich wuchs in einem „Drei-Generationen-Haus“ auf.
Großvater fuhr einen Pferdewagen für die LPG. Großmutter war wegen Krankheit nie angestellt.
Vater war Brigadier in der Landwirtschaft, ging aber später in die Stadt zur Fabrik. Nebenbei betrieb er eine kleine Küferei – Kleinschelken war ein Weindorf – und er machte Eichenfässer für Wein.
Mutter arbeitete in der LPG.
Wir waren Selbstversorger, d.h. sämtliche Lebensmittel wurden selbst erzeugt, da man kaum Geld hatte um welche zu kaufen.
So hatte Großvater eine Kuh und meine Eltern eine Kuh. Die Kälber wurden immer verkauft, um an ein wenig Geld zu kommen.
Mit Milch zog man uns Kinder groß. Mindestens einmal gab es davon täglich. Man machte Butter oder Rahm. Der Rest wurde, Kartoffeln beigemischt, an die Schweine verfüttert.
Kartoffeln hatte man von einer kleinen Parzelle, deren Bewirtschaftung einem der Staat nach der Enteignung noch erlaubte. Sie waren das Hauptnahrungsmittel der Menschen.
Dazu mästete man ein oder zwei Schweine im Jahr – auf bis zu 200 Kilo.
Gegen Weihnachten wurde geschlachtet.
Dabei halfen Tanten und Onkels.
Abends wenn das Schwein zerlegt, die Wust fertig, die Speckhälften in Salz eingelegt waren, gab es ein Fest. Cousins und Cousinen kamen – hierüber freuten wir uns schon das ganze Jahr.
Am nächsten Tag wurde der große Gewölbebackofen geheizt, eine Wochenration von sieben Broten gebacken und anschließend das ganze Fleisch und die Wurst „eingebraten“. Hierfür schob man alles in großen Blechen in den Backofen, legte es anschließend in Fünf- oder Zehnlitertonnen und übergoss es mit dem heraus gebratenen Fett, welches das Fleisch konservierte. So hatte man das ganze Jahr über Fleisch – auch wenn man sich den Verzehr gut einteilen musste.

Fleisch galt für uns Kinder fast als Genussmittel.
Ab der fünften Klasse durften wir Kinder in den Sommerferien in der Landwirtschaft arbeiten. Von meinem ersten Geld, das ich verdiente, kaufte ich mir zwei Kaninchen. … zur Zucht – männlich und weiblich.
Zu Bestzeiten hatte ich bis zu fünfzig Kaninchen.
Dafür sammelte ich nach der Schule in großen Säcken Blätter und Gräser. Akazienblätter fraßen sie am liebsten. Im Spätsommer und Herbst ging ich auch auf die Rübenfelder der Staatswirtschaft und pflückte immer zwei bis drei Blätter pro Rübe ab. Es hieß, das würde nicht schaden, sei sogar gut.
Nun der Wächter durfte mich dabei nicht erwischen, er hätte wahrscheinlich Angst um die Rüben selbst gehabt.

Irgendwann fand ich Gefallen an der Küferei des Vaters, wo ich dann fast die ganze Freizeit verbrachte. Vater zeigte mir alles und ich hatte großen Spaß daran, ihm zu helfen. Oft hatte ich schwielige und blutende Hände – es war Handarbeit und das, in besonders hartem Eichenholz. Aber ich war stolz auf meine Hände.
Mit zwölf oder dreizehn Jahren machte ich die ersten Weinfässer alleine.

Als Vater während meines fünfzehnten Lebensjahres auf Verwandtenbesuch nach Deutschland fuhr und nicht wiederkam, arbeitete ich seine Aufträge ab und half nachher meinem Onkel Peter, der die Küferei hauptberuflich betrieb.

In dieser Zeit schwänzte ich wochenlang die Schule. Zur neunten und zehnten Klasse mussten wir täglich in das fünfundzwanzig Kilometer entfernte Mediasch fahren. Der Unterricht war hauptsächlich in rumänischer Sprache.
Es war sowieso eine Frage der Zeit, bis die rumänische Regierung uns (Mutter, Schwester und mich) im Sinne einer Familienzusammenführung nach Deutschland zu meinem Vater ausreisen lassen musste. So sah ich keine Verwendung für eine rumänische Bildung mehr.
Es dauerte aber doch noch unvorhergesehene dreiundzwanzig Monate bis zur Ausreise. Ich machte die zehnte Klasse fertig und bestand auch noch.

In Deutschland hätte ich am liebsten an der Küferei weiter gearbeitet, bzw. in diesem Bereich eine Lehre gemacht. Aber es war die Zeit der Kunststofffässer – man riet mir davon ab.
Auch meinen Wunsch Steinmetz zu werden, redete man mir aus.

So wurde ich Kfz-Mechaniker. Es war nicht mein Traumziel, aber ich bin froh, meinen weiteren Weg so gegangen zu sein.
Diesen technischen Beruf gelernt zu haben, war Voraussetzung für die Ausübung meiner jetzigen Tätigkeit, die ich nun schon seit über 35 Jahren sehr gerne mache.
Beim Fertigen von Großventilatoren habe ich viel hinzugelernt. Meiner Firma bin ich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte mit Eisen und Stahl in seiner ganzen Vielfalt und mit allen Möglichkeiten umzugehen, oder damit umgehen zu lernen.

Irgendwann ging ich zu einer Ausstellung von Hannelore Maurer und ihren Künstlerkollegen.

Es war, als würde man irgendwo einen Schalter umlegen.
Zum ersten Mal konnte ich mit Künstlerinnen und Künstlern über ihre Arbeiten reden. Ich war fasziniert von den Bildern, Objekten und Skulpturen – überhaupt von den Ideen.
Aber was mich bewegte, war die Idee es selbst (mit Eisen) zu versuchen.
Nun blickte ich oft durch Skulpturen in die Welt. Themen hierfür liegen auf der Straße und betteln darum aufgenommen zu werden.

Aus Zeitmangel …

… heute aus dem Gedächtnis – oder, von unserem lieben Onkel Georg (die Tage sind ernst genug):

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Frau Wirtins Tochter Edeltraut
die trug mit Stolz die Jungfernhaut.
Da kam vom Dorfe der Couseng.
Päng!

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Frau Wirtin hatte einen Polen
dem hing der Sch…. bis an die Sohlen.
Er ging im Garten auf und ab
und schlug damit die Äpfel ab.

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Steht die Bäuerin am Geländer
kriegt der Bauer einen Ständer.

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Ist die Bäuerin auf Ibiza
schmeckt dem Bauern auch die Pizza.

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Fährt der Bauer nach Bad Wiessee
kommt sein Konto in die Miese.

MICHAEL HERMANN ……………………………………………… Bitte beachten. Bei allen nicht anders gekennzeichneten Texten und Bildern liegen die Rechte bei mir. Auch bitte ich darum, JEDES Rebloggen zu unterlassen! …………. Im Allgemeinen gilt: – FREIE MEINUNGSÄUßERUNG. Jedoch, bin ich der Hausherr dieses Blogs und mache gegebenenfalls von meinem Hausherrenrecht Gebrauch.