Menschen

Wie schön wäre es gewesen, wenn der ICE in die andere Richtung gefahren wäre. Ich saß nämlich im letzten Wagen und konnte durch das Panoramadach den herrlich blauen Himmel und die leider nur zurückgelegte Landschaft hinter uns lassend zurückfliegen sehen.

Ich stellte mir vor, wie da draußen alles auf mich zukommen würde, statt sich von mir zu entfernen.

Seit halb sieben war ich schon unterwegs.
… und es würde Nacht werden, bis ich endlich zu Hause sein würde.

Heute morgen war es bei der Überfahrt von Borkum nach Emden ziemlich stürmisch gewesen – das Schiff schaukelte sogar auf der Ems noch ziemlich gewaltig.

Das war zu viel für die frühe Stunde  – mir wurde kotzübel.

Der Anschlusszug hatte etwas Verspätung, doch die frische Luft während des Wartens am Bahnhof tat sehr gut.

… und die Verspätung holte der IC anschließend noch ein, sodass ich in Münster pünktlich auf den ICE umsteigen konnte.

Nun waren wir schon im Ruhrgebiet.

Nach einigen Haltestellen der dichtgelegenen Großstädte, liefen wir im Kölner Hauptbahnhof ein.
Hier hatten wir fast eine halbe Stunde Aufenthalt – nach Stuttgart musste ich aber nicht umsteigen.
Zum Füßevertreten hatte ich jedoch keine Lust und beobachtete im Wagen sitzend das Geschehen auf dem Bahnsteig.
Es wurde etwas langweilig – aber darauf stellt man sich ja auf längeren Reisen ein.

Und dann stand da dieser Typ.
Er sah ziemlich auffällig aus. Nein – ungepflegt könnte man nicht sagen.
… aber unrasiert, lange wirre Haare, Sonnenbrille, abgescheuerte Lederjacke, wohl nicht mehr die neueste Jeans, Cowboystiefel, Zigarette im verqualmten Gesicht.

Da vor und neben mir noch zwei Plätze frei waren, dachte ich – hoffentlich setzt der sich nicht zu mir, wenn er einsteigt.

Kaum ausgedacht, drückte er den Türknopf und betrat den Raum.
Er blieb stehen und fummelte in einer seiner Taschen herum, schien etwas zu suchen.
Ein Riesenschlüsselbund kam zum Vorschein.

Der Mann ging an mir vorbei.
Am Heck des Wagens war eine Glasfront mit einer Glastüre. Er schloss die Türe auf, ging durch und setzte sich vor die Apparaturenwand unter der bisherigen Heckscheibe.
Und dann betätigte er irgendwelche Dinge – die Motoren brummten auf.

… und der ICE setzte sich in Bewegung – nun in die andere Richtung.

Ich saß jetzt ganz vorne – mit dem wunderschönen Blick, den ich mir von Anfang an gewünscht hatte.
… und die Landschaft flog mit fast 300 Kilometern pro Stunde auf mich zu.

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Die blume die ich mir am fenster hege…

Die blume die ich mir am fenster hege
Verwahrt vorm froste in der grauen scherbe
Betrübt mich nur trotz meiner guten pflege
Und hängt das haupt als ob sie langsam sterbe.
Um ihrer frühern blühenden geschicke
Erinnerung aus meinem sinn zu merzen
Erwähl ich scharfe waffen und ich knicke
Die blasse blume mit dem kranken herzen.
Was soll sie nur zur bitternis mir taugen?
Ich wünschte dass vom fenster sie verschwände ..
Nun heb ich wieder meine leeren augen
Und in die leere nacht die leeren hände.

Stefan George

Charlotte von Ahlefeld

 

Pflanzenleben

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Habt Ihr schon in junges Grün gekleidet,
Eure Knospen jugendlich empor?
Zarte Pflanzen, die ich oft beneidet,
Wenn mein Auge sich an Euch geweidet,
Und mein Sinn sich tief in Euch verlor.

Denn umweht von warmen Frühlingslüften,
Oeffnet sich der Erde dunkler Schooss.
Aus des mütterlichen Bodens Grüften,
Ringen sich, geweckt zu süssen Düften,
Eure still entsprossten Keime los.

Und der Sonne milde Blicke schweben
Liebend um das neue, frische Grün.
Kraftvoll regt sich Euer innres Leben,
Und mit ungehemmtem, raschem Streben,
Keimt die Knospe nur um aufzublühn.

Süsse Wohlgerüche zu verhauchen,
Bricht bewusstlos dann die Blume auf;
Und des Tages helle Strahlen tauchen
Schmeichelnd sich in ihren Kelch und saugen
Leis‘ und schnell ihr junges Leben auf.

Könnt‘ ich, stille Pflanzen, mit euch tauschen,
Schmerzlos leben und vergehn, wie Ihr!
Leise nur berührt, wenn Stürme rauschen,
Würd‘ ich auf der Sonne Lächeln lauschen,
Und das Daseyn wäre freundlich mir.

Euer Loos – so einfach und bescheiden –
Ach warum ward es dem Menschen nicht? –
Uns zerstören namenlose Leiden
Und die einzeln uns geschenkten Freuden
Stillen unsern Durst der Seele nicht.

Bis der Schleier schimmernd sich erhebet,
Der das matte Auge jetzt umhüllt:
Bis das Sehnen, das uns oft durchbebet,
Und das Ahnen, das uns leis‘ umschwebet
Der Verklärung Himmelsglanz erfüllt.

Begegnung mit Raphael Muhr

Gemessen am ganzen Leben, begegnet man Menschen oft nur flüchtig. Und doch hat man manchmal das Gefühl, eine jeweilige Begegnung sei mehr als nur die übliche Flüchtigkeit und man weiß, dass man sie wahrscheinlich niemehr vergessen wird.
Raphael Muhr hörte ich im Vorbeigehen klavierspielend, durch die geschlossenen Fenster des Pavillons. Ich setzte mich kurz zu ihm – er sagte, er würde eben mal kurz üben.
An einem der folgenden Tage traf ich ihn im Atelier, er war gerade dabei, „das Mädchen mit dem Perlohrring“ von Jan Vermeer zu malen. Das Bildnis kannte ich wohl, doch ich muss zugeben, in die Version Raphaels „verliebte“ ich mich. Irgendwie, so sagte er, habe er ein Problem mit der Gesichtsgeometrie des Originals. Auf seinem Bild veränderte er diese. Das Ergebnis mag das selbe Mädchen sein, jedoch mit anderen Augen – und vielleicht auch mit anderen Augen gesehen.
Raphael möchte ich hier kurz vorstellen – „das Mädchen mit dem Perlohrring“ (die Bilder beider Maler), „Wassermühle bei einem Bauernhof“ (Zeichnung Raphael Muhr, Ölbild Jacob Isaacksz. van Ruisdael), sowie zwei Portraits (Zeichnungen) und ein Acrylbild von Raphael.
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 Bild – Raphael Muhr
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Bild – Jan Vermeer
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Zeichnung – Raphael Muhr
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Wassermühle bei einem Bauernhof (Jacob Isaacksz. van Ruisdael)
 Bild – Jacob Isaacksz. van Ruisdael
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„Johannes“ – Raphael Muhr
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„Reflexion“ – Raphael Muhr
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Acrylbild – Raphael Muhr
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Im Übrigen liegen mir zwei wunderschöne Musikkompositionen von Raphael vor, jedoch kann ich diese im jetzigen Format hier noch nicht hochladen.

MICHAEL HERMANN ……………………………………………… Bitte beachten. Bei allen nicht anders gekennzeichneten Texten und Bildern liegen die Rechte bei mir. Auch bitte ich darum, JEDES Rebloggen zu unterlassen! …………. Im Allgemeinen gilt: – FREIE MEINUNGSÄUßERUNG. Jedoch, bin ich der Hausherr dieses Blogs und mache gegebenenfalls von meinem Hausherrenrecht Gebrauch.