nur ein kleiner traum

ich schließe die Augen

höre den Wind
im duftenden Kräutergrün der Berge

sehe Kornblumen
wie sie aus goldenen Feldern
herüberwinken

Glocken geben den Takt
im Duett
von Kuckuck und Amsel

Hummeln summen zum Lied
das in der Mittagssonne
das Tal beseelt

Mutter ruft
aus dem Weinberg
gleich hinterm Haus

jemand kocht Kaffee
und isst Bananen
morgen

komme ich wieder

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oben

oben
wo der Berg den Himmel berührt
krönt meine Eiche das herrliche Land

narbige Schönheit
bizarr verkrümmtes Geäst
hält undefinierte Zeit
in innigster Umarmung fest

Krankheit kam und Ungeziefer
Blitze schlugen ein
Stürme
amputierten Moder wieder weg

im Winter scheint alles tot
– bis Frühjahrs Wärme
ein Dach für tausend Wesen schafft

Umwege
führen geschwungen herauf
gesäumt von Gärten und Wein

die Bank
im Schatten des Baums
saugt dich an

lässt dich
in deinen Gedanken allein

von oben herab
blickst du ins Tal
Autos fahren, Menschen eilen
– ganz leise

alles scheint
– eine andere Welt

hinter Mauern
unter Dächern bleibt
der Alltag verborgen

im Baum
ein gezwitschertes Lied
– und die Sonne scheint

in Gedanken

Gedanken hängen
riesigen Ölgemälden gleich,
im in alle Lebenslagen
eingeweihten Raum.

Rechts – heftiger Pinselstrich,
Landschaft im Chaos versunken.
… Schwarzes und dunkles Wirrwarr
nur spärlich im Zaum gehalten
durch ein kleines Gelb

verrottend im Geäst.

Links – Wirklichkeit
die in Farben zerfließt
– ein Traum von Romantik
verhüllt im Fumato der Zeit.

Geradeaus – der direkte Weg
  Allee in dichtem Wuchs.
Rasantes Tempo
– von Scheuklappen versperrt die Sicht.

Zählt nur noch
der undefinierbare Punkt
am Ende der Spur?

Im Rücken – der Drache
– bedrohliche Glieder,
ein treuer Blick
– gefangen in sich selbst.

  Nur klein – die Tür.
Zurück ins vertraute Nichts.

Die Zeit ging baden

Du kamst aus dem Nichts.
Zwei Milchflaschen am Brückenrand.
Zeit ging – spielend am Bach,
baden im kühlen Nass.
Freundschaft ohne Uhr.
Kindergartens verspielter Weg.
Obstwiese mit Mittagsschlaf,
Bienen im Taschentuch verpackt.
Zur Zucht? Oh – honigsüßer Traum!
Das liebliche Mädchen in Gruppe Zwei.
Am Abend Milch und Polenta.
Großvaters Bett, Rotkäppchen, Die sieben Geißlein.
Vaters Werkstatt, das eigene Beil, Hammer und Nägel.
Der Ziegenbock, der wütend mit der Herde kam.
Das rettende Tor – in das er knallte.
Die niedlichen Geißlein zum streicheln.
Der Hahn dessen Böswilligkeit
nur der Besen Einhalt gebot.
Frühlings Schneeglöckchen im Wald
– lockende Wärme zum pflücken.
Ostern mit Dotterblumen genestet.
Sommers Berge und Wälder,
Lagerfeuer, Kartoffelduft.
Der Fluss – verseucht, verboten
– sorgloser Spaß.
Wetter gab`s keines.
Gestauter Bach, gesammelter Fisch.
Tobende Gärtner – nach Durchbruch des Damms.
Herbstlich süße Trauben,
Pferdewagen, die sie in schweren Fässern fuhren.
Vernascht, versteckte Mitfahrt
– manchmal der rettende Sprung vor der Peitsche.
Winterliches Weiß,
unendliche Eisbahn des Bachs,
Schlitten am Berg.
Schneemann mit Vater – Eltern mit Zeit.
Schlachtfest. Angst vor dem Schrei,
Strohfeuer beim Sengen,
verspielte Cousins und Cousinen,
frische Leber und Wurst.
Weihnachtlicher Baum mit Kerzen,
Marzipanzucker in farbigem Gold verpackt.
Orangen – das eine Mal im Jahr!
Die Kirche – erhellt vom mächtigen Baum.
Wenn Gott – dann jetzt!
Lieder, Gedichte, Krippenspiel.
Geschenktüte, Lebkuchen herrlich verziert
und sichtbar verpackt.
Alles schon sehr lange her.
Die Zeit ging baden
– der Bach über den Fluss ins Meer.

Sylvia Kling – Grünland

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Künzelsau (Acryl auf Leinwand, 150×100 cm)

Es gesellt sich ein
mildgrüner Zauber
waldiger Höhen
zur Ruhe
des Horizontes,
singt leise in
der Hörenden Sinn

Ein Kirchturm ragt
in den Himmel,
umworben von
der Krone
Jahrhundertweiser,
umfangen von
des Tages Licht

Eben ist die
türmende Ferne,
so friedvoll
dem Leben erhaben,
lindert das Leid
aller Klagen

Mauerschönheiten,
erschaffen in eiligem Saume
spiegeln sich im
tröstenden Wasser,
es tropft ein
Blick kopfüber
ins Herz erquickend leicht

Ein leiser Friede
löst das Unheil
in unserer Brust,
du Grünland,
so nebelschwer du einst
gelegen,
so hebst du den Schleier
hungrig müder Augen.
.
©Sylvia Kling
.
Sylvia Kling schrieb das Gedicht eigens für mein Bild und es ist Teil ihres Lyrikbandes „AusGeatmet“, der letztes Jahr erschien. Dies ist ein tolles zeitgemäßes Buch, in dem Liebe , Natur und Zeitgeschehen ganz eng beeinanderliegen.
Die Autorin lebt, liebt, fragt und bezieht Stellung. Die Sprache ist gewählt und schön – aber deutlich.
… ein Buch zum lesen und nachlesen.
.
Meine Lieblingspassage darin:
.
„Nicht die Vergangenheit
ist eine Lüge,
eure grellen Laute sind
entgleiste Züge.“
.
Mehr Zeitgeist geht nicht.

Sylvias Blog:
https://sckling.wordpress.com/
und Sylvias HP:
http://www.sylvia-kling.de/

Demapati & Kyoto

HPIM0894.JPG

Kirschblüte 5weite die Flügel

flieg
der Sonne entgegen
breite dein Lager
in Kirschblüten aus

geh in die Welt
reite den Wind
im kleinen Drachen
reift die Zeit

erlebe das Schöne
folg deinem Herzen
irgendwo
liegt dein Paradies

doch bist du müde
komm wieder heim

erzähl
mir vom Leben
durch deine Augen
möchte ich sehn

vielleicht

bauen wir gemeinsam
ein Schiff
segeln über die Meere

wir speisen das Feuer

demapati der Drache
lebt

 

Das Kind

HPIM0976.JPGSkulptur „d. A. f. n. w. v. St.“

***
einst
sprach das Kind zu mir
erzählte wunderschön
von Leichtigkeit und Freude

wischte die Tränen weg
und manch Erinnerung
vergaß die Prügel
und die Angst vor morgen

nun ist es still
und weint
nimmt Abschied
von der Hoffnung

dass man die Worte sagt
die niemand
nun mehr sagen kann

nun schweigt es
auch das Kind
versucht die Stille zu verstehn

verstanden
hat es nichts

MICHAEL HERMANN ……………………………………………… Bitte beachten. Bei allen nicht anders gekennzeichneten Texten und Bildern liegen die Rechte bei mir. Auch bitte ich darum, JEDES Rebloggen zu unterlassen! …………. Im Allgemeinen gilt: – FREIE MEINUNGSÄUßERUNG. Jedoch, bin ich der Hausherr dieses Blogs und mache gegebenenfalls von meinem Hausherrenrecht Gebrauch.